Manfrieds Trelleborg - Jomswikinger - 1.Teil der Saga

Die Saga der Jomswikinger - Jómsvíkinga saga

Teil I

 

Ein König, der über Dänemark herrschte, hieß Gormr und wurde „der Kinderlose“ genannt. Er war ein mächtiger König und bei seinen Leuten beliebt. Als das Folgende geschah, hatte er noch nicht lange über das Reich geherrscht. Zu jener Zeit lebte in SaxlandSaxland ist der altnordische Name für das westliche Niederdeutschland. Jarl Arnfinnr, der das Reich von König Karl dem Großen als Lehen bekommen hatte.

Arnfinnr und König Gormr waren gute Freunde und waren beide zusammen auf Wikingerfahrt gewesen. Der Jarl hatte eine schöne Schwester. Er war ihr mehr zugeneigt, als er hätte sein sollen und bekam mit ihr ein Kind, was verheimlicht wurde. Der Jarl schickte Leute mit dem Kind fort und befahl ihnen, sich nicht von ihm zu trennen, bevor sie wüßten, was aus dem Kind würde. Sie kamen nach Dänemark und in die Nähe eines Waldes. Sie erfuhren, daß König Gormr mit seinem Gefolge in dem Wald war. Sie legten das Kind unter einen großen Baum und brachten sich in Sicherheit. Gegen Abend begaben sich der König und alle seine Gefolgsleute heim, bis auf zwei Brüder. Der eine hieß Hallvarðr, der andere Hávarðr. Sie blieben hinter den anderen zurück. Sie gingen weiter, um sich umzusehen, und da hörten sie das Weinen eines Kindes. Sie gingen dem Geräusch nach, aber wußten nicht, was es bedeutete. Da fanden sie einen Knaben unter einem großen Baum und ein großes Bündel in den Ästen darüber. Das Kind war in kostbaren Seidenstoff eingewickelt und hatte ein silbernes Band um den Kopf, in dem ein goldener Ring von einer Unze Gewicht war. Sie hoben das Kind auf und nahmen es mit nach Hause. Sie kamen heim, als der König gerade beim Trinken saß, und sagten ihm, was sie gefunden hatten und zeigten ihm den Knaben. Ihm gefiel er gut und er sprach: „Dieser Knabe wird ein großartiger Mann werden und es ist besser, ihn gefunden zu haben als nicht.“ Er ließ den Knaben mit Wasser begießen und Knútr nennen, weil ein Ring an seine Stirn geknotetAltnordisch knútr heißt “Knoten”. Das Begießen mit Wasser wird häufig als heidnisches Ritual bei der Namensgebung, auch Wasserweihe genannt. gewesen war. Der König stellte einen Erzieher für ihn an, nannte ihn seinen Sohn und liebte ihn sehr.

Als König Gormr alt war, übergab er seinem Adoptivsohn Knútr das Reich. Danach starb König Gormr. Nun übernahm Knútr das gesamte Reich, das König Gormr gehört hatte, und er war beliebt. Er zeugte einen Sohn, der Gormr hieß. Dieser wurde zuerst Gormr der Dumme genannt, aber als er erwachsen war, Gormr der Alte oder der Mächtige.

Ein Jarl, der über Holstein herrschte, hieß Haraldr. Er wurde Klakk-Haraldr genannt und war ein kluger Mann. Der Jarl hatte eine Tochter, die Þyri hieß und hellseherisch war. Sie war eine sehr schöne Frau und deutete Träume besser als andere Menschen. Der Jarl liebte sie sehr und da, wo sie war, schien ihm die Landesherrschaft gesichert zu sein.

Als Gormr erwachsen wurde und das Königreich übernommen hatte, begab er sich mit einem großen Heer außer Landes und hatte vor, um die Tochter des Jarl Haraldr zu werben. Falls dieser ihm nicht die Frau geben wollte, hatte er vor, ihn anzugreifen. Als Jarl Haraldr und seine Tochter von König Gorms Fahrt und seinem Vorhaben erfuhren, schickten sie ihm Leute entgegen und luden ihn zu einem prächtigen Gelage ein. Das nahm der König an.

Als er sein Anliegen vor den Jarl gebracht hatte, gab ihm dieser als Antwort, daß sie selbst darüber entscheiden sollte. „Denn sie ist viel klüger als ich.“ Der König drängte da bei ihr selbst auf die Heirat. Sie antwortete so: „Das wird nicht sogleich entschieden werden und du sollst dich mit guten und ehrenvollen Geschenken versehen nach Hause begeben. Aber wenn dir an der Heirat mit mir gelegen ist, dann sollst du, wenn du heim kommst, ein Haus an einer Stelle errichten lassen, wo zuvor keines gestanden hat und das dir genehm ist, um darin zu schlafen. Dort sollst du in der ersten Nacht des Winters schlafen und drei Nächte hintereinander. Erinnere dich genau, ob du etwas träumst, und laß es mir berichten. Dann werde ich den Gesandten sagen, ob du mich zur Hochzeit holen sollst oder nicht. Du brauchst nicht zu kommen, wenn du nichts träumst.“

Dann begab sich König Gormr mit ehrenvollen Geschenken nach Hause und wollte gewiß ihre Klugheit erproben. Als er nach Hause kam, verhielt er sich so, wie sie ihn angewiesen hatte. Der König schlief nun drei Nächte in dem Haus, aber er ließ es von dreien seiner Männer bewachen, damit kein Anschlag verübt werden konnte. Dann schickte der König seine Männer zu dem Jarl und dessen Tochter, um von seinen Träumen zu berichten. Als sie seine Träume gehört hatte, sprach sie, sie sollten dem König sagen, daß sie mit ihm kommen würde. Die Gesandten übermittelten nun dem König ihre Entscheidung und dieser wurde darüber sehr froh. Er brach bald mit einem großen Gefolge von zu Hause auf, um seine Braut zu holen. König Gormr kam nun nach Holstein. Als Jarl Haraldr von der Fahrt des Königs erfuhr, richtete er zu seiner Ankunft ein großartiges Fest aus und dort fand die Hochzeit statt.

Während des Festes erzählte König Gormr zur Unterhaltung seine Träume und Königin Þyri deutete sie. Der König sagte, daß er in der ersten nach geträumt hatte, daß er meinte, draußen zu stehen und über sein gesamtes Reich zu blicken. Ihm schien sich das Meer so weit vom Land zurückzuziehen, daß er es nicht mehr sehen konnte. Alle Sunde und Fjorde waren trocken. Dann sah er drei weiße Ochsen aus dem Meer steigen. Sie fraßen alles Gras von der Erde und gingen dann wieder ins Meer. Im zweiten Traum schien es ihm, als ob wiederum drei Ochsen aus dem Meer stiegen. Sie waren rot und hatten große Hörner. Sie fraßen ebenfalls das Gras von der Erde und gingen dann wieder ins Meer. Im dritten Traum sah der König wiederum drei Ochsen aus dem Meer steigen. Sie waren vollkommen schwarz, sehr groß und hatten gewaltige Hörner. Sie fraßen wiederum das Gras vom Land und gingen dann wieder ins Meer. Danach hörte er ein so lautes Donnern, daß er meinte, man müßte es in ganz Dänemark hören. Er sah, daß das vom Meer kam, das wieder zum Land zurückfloß. „Und jetzt, Königin, will ich, daß du zur Unterhaltung der Leute die Träume deutest.“ Sie sagte, so solle es geschehen. „Daß drei weiße Ochsen aus dem Meer ans Land stiegen, bedeutet, daß drei so schneereiche Jahre kommen werden, daß die Ernte in Dänemark vernichtet werden wird. Daß außerdem drei rote Ochsen herausstiegen, bedeutet, daß drei wenig schneereiche, aber dennoch nicht gute Jahre kommen werden. Daß die drei schwarzen Ochsen herausstiegen, bedeutet, daß drei weitere Jahre kommen, die so schlimm werden, daß sich keiner an solche erinnern können wird. Es wird eine so große Hungersnot auftreten, daß es kaum Beispiele dafür geben wird, daß so etwas zuvor geschehen ist. Daß die Ochsen große Hörner hatten, bedeutet, daß viele ihr gesamtes Eigentum verlieren werden. Dann hörtest du ein großes Donnern von der Flut. Das deutet auf Streit zwischen mächtigen Männern, die nahe mit dir verwandt sind, hin. Wenn du das in der ersten Nacht geträumt hättest, was nun in der letzten war, würde der Unfriede zu deinen Lebtagen aufkommen und dann wäre ich nicht mit dir gekommen. Aber mit der Hungersnot werde ich zurecht kommen.“

Nach diesem Fest fuhren König Gormr und Königin Þyri nach Hause nach Dänemark und ließen viele Schiffe mit Getreide und anderem Wertvollen beladen und alles nach Dänemark schaffen. So hielten sie es in jedem darauf folgenden Jahr, bis die Hungersnot kam. Da schadete sie ihnen und denen, die ihnen nahe standen, überhaupt nicht, weil sie viel von ihren Vorräten an die Landsleute abgaben. Þyri war die klügste Frau, die je nach Dänemark kam, und sie wurde Dänemarks Rettung genannt. König Gormr und Königin Þyri hatten zwei Söhne. Der ältere hieß Knútr und der jüngere Haraldr. Sie waren beide vielversprechend, aber Knútr war klüger. Er wurde bei seinem Onkel, Jarl Klakk-Haraldr, aufgezogen. Der Jarl liebte ihn sehr und er war sehr beliebt. Haraldr war zu Hause beim königlichen Gefolge und er war in seiner Jugend sehr unbeliebt.

König Gormr schickte nun Gesandte zu Jarl Haraldr, um ihn zum Júl einzuladen. Der Jarl nahm dies gerne an und die Gesandten des Königs fuhren zurück. Nun rüstete sich der Jarl zu dieser Fahrt. Als er und seine Leute zum Limfjord kamen, sahen sie dort einen seltsamen, großen Baum stehen. An ihm waren kleine, grüne Äpfel gewachsen und er blühte. Sie wunderten sich sehr. Der Jarl sagte, er halte es für ein schlimmes Vorzeichen, daß so etwa zu dieser Jahreszeit geschah, denn sie sahen dort die Äpfel liegen, die im Sommer gewachsen waren. Sie waren groß und alt. „Wir werden umkehren.“ Das taten sie. Der Jarl blieb dieses Jahr zu Hause. Dem König erschien es seltsam, daß der Jarl nicht kam.

Im zweiten Winter schickte der König Gesandte mit dem selben Auftrag und der Jarl versprach, zu reisen. Der Jarl begab sich mit seinem Gefolge zum Limfjord. Auf den Schiffen des Jarls waren viele Hunde. Da hörten sie, daß die Welpen in den Hündinnen bellten. Der Jarl sagte, daß dies ein äußerst schlimmes Vorzeichen sei und daß sie umkehren sollten und so geschah es.

Nun verging der Winter. Im dritten Winter schickte der König erneut Gesandte, um den Jarl zum Júlgelage einzuladen. Er versprach, zu reisen. Nun fuhr der Jarl bis zum Limfjord. Da sahen sie im inneren Teil des Fjords sich eine große Woge erheben und eine zweite im äußeren Teil und beide bewegten sich aufeinander zu. Das Meer wurde sehr unruhig. Als die Wellen aufeinander trafen, stürzte jede in das Wogental der anderen und das Meer wurde ganz blutig. Da sprach der Jarl: „Das sind große, üble Vorzeichen und wir werden umkehren.“ Der Jarl blieb über Júl zu Hause.

König Gormr wurde nun sehr wütend auf den Jarl, weil dieser seiner Einladung nicht gefolgt war. Er hatte nun vor, den Jarl anzugreifen und ihm so diese Schmach zu vergelten. Als Königin Þyri dessen gewahr wurde, sagte sie, daß es nicht angemessen sei, dem Jarl Schaden zuzufügen, und sie würden einen besseren Entschluß fassen. Der König tat, wie es die Königin wollte und schickte Gesandte zum Jarl, um herauszufinden, wie es stand. Der Jarl fuhr sofort. Der König empfing seinen Schwiegervater in angemessener Weise. Der König und der Jarl begaben sich bald zu einer Besprechung und der König fragte, was es bedeute, daß er kein einziges Mal gekommen war. „Du beleidigst so mich und meine Einladung.“ Der Jarl sagte, er habe nicht vorgehabt, ihn zu beleidigen und daß es andere Gründe dafür gebe. Er erzählte nun dem König von den seltsamen Dingen, die sie gesehen hatten. „Ich werde Euch nun erklären, was ich glaube, auf was diese ungewöhnlichen Begebenheiten vorausdeuten.“ Der König stimmte dem zu.

Der Jarl sprach: „Ich werde damit beginnen, daß wir mitten im Winter einen großen Baum mit grünen Äpfeln sahen. Die alten, großen Äpfel lagen darunter auf dem Boden. Ich meine, daß dies auf einen Glaubenswechsel hindeutet, der in diesen Landen stattfinden wird. Der neue Glaube wird in größerer Blüte stehen und die schönen Äpfel weisen auf ihn hin. Der alte Glaube aber wird niedergelegt werden, so wie die alten Äpfel, und zu nichts als Staub werden. Das zweite Seltsame war, daß Welpen in den Hündinnen bellten. Es bedeutet, daß junge Menschen den älteren den Mund verbieten und unbesonnen sein werden. Es ist zu erwarten, daß sie mehr zu bestimmen haben werden, auch wenn die anderen erfahrener sind. Ich glaube aber, daß sie noch nicht auf der Welt sind, weil die Welpen noch ungeboren waren. Dann sahen wir Wellen sich gegeneinander erheben mit großem Getöse und Blut. Das deutet auf die Uneinigkeit einiger mächtiger Männer hier im Land hin, und es wird zu großen Kämpfen und zu viel Unfriede kommen. Es ist sehr wahrscheinlich, daß dieser Fjord einige Folgen davon tragen wird.“

Der König verstand die Worte des Jarls gut und hielt sie für weise. Der König gab seinen Zorn gegen den Jarl auf, aber er hatte Männern aufgetragen, mit Waffen gegen den Jarl vorzugehen, wenn es ihm so erschienen wäre, als sei er lediglich nachlässig gewesen. Sie beendeten nun die Beratung. Der Jarl blieb so lange dort, wie der König es wollte, und fuhr dann nach Hause.

Wenig später gab Jarl Haraldr sein gesamtes Reich seinem Ziehsohn Knútr. Der Jarl begab sich in den Süden und nahm dort das Christentum an und kam nie wieder in sein Reich.

König Gormr und sein Sohn Haraldr wurden uneins, sobald Haraldr erwachsen wurde. Da bekam Haraldr einige Schiffe und fuhr jeden Sommer auf Wikingerzüge, aber blieb im Winter in Dänemark.

Zu dieser Zeit herrschte König Aðalsteinn über England. Er war ein guter König, aber alt. Gegen Ende seiner Tage kam ein Heer von Dänen nach England, dessen Anführer die Söhne König Gorms, Knútr und Haraldr, waren. Sie plünderten weit umher in Northumbria und unterwarfen sich ein großes Reich. Das nannten sie ihren geerbten Anteil, der den LoðbrókssöhnenDie Söhne des berühmten Wikingers Ragnarr loðbrók sollen im 9. Jahrhundert England erobert haben. und anderen ihrer Vorfahren gehört hatte. König Aðalsteinn sammelte ein großes Heer, zog den Brüdern entgegen und traf nördlich von Cleveland auf sie. Er tötete eine Menge von den Dänen. Ein wenig später gingen die Söhne Gorms bei Scarborough an Land und kämpften dort, und die Dänen siegten. Danach wollten sie südlich nach York ziehen, und dort unterwarf sich ihnen alles Volk. Sie fürchteten da keine Gefahr.

Eines Tages, als sehr heißes Wetter war, gingen die Männer und auch die beiden Könige zum Schwimmen zwischen den Schiffen ins Wasser. Da kamen Leute von oben vom Land heruntergelaufen und schossen auf sie. Knútr wurde tödlich von einem Pfeil getroffen und sie zogen die Leiche aufs Schiff. Als das die Landsleute erfuhren, zog sich sofort ein unbesiegbares Heer zusammen. Als nächstes kam König Aðalsteinn und alles Volk, das sich zuvor Knútr unterworfen hatte, schloß sich ihm an. Danach konnten die Dänen wegen der Heeressammlung der Landsleute nicht mehr an Land gehen. Daraufhin fuhren die Dänen zurück nach Dänemark. Da hielt sich König Gormr in Jütland auf. Haraldr begab sich sofort dorthin und erzählte seiner Mutter von dem Geschehenen.

König Gormr hatte geschworen, daß er sterben würde, wenn er vom Tod seines Sohnes Knútr erführe, und so auch der, der ihm davon berichtete. Da ließ die Königin die Halle mit grauem Wollstoff behängen. Als der König zu Tisch kam, schwiegen alle, die drinnen waren. Da sprach der König: „Warum schweigen alle Leute? Gibt es irgendwelche Neuigkeiten zu berichten?“ Da sagte die Königin: „Herr, ihr hattet zwei Falken, einen weißen und einen grauen. Der weiße war weit in die Wildnis hinausgeflogen. Dort stürzten sich viele Krähen auf ihn und rupften ihn, so daß ihm alle Federn ausgerissen wurden. Jetzt ist der weiße verschwunden und der graue zurückgekommen, und er wird nun Vögel zu Eurer Verköstigung erlegen.“ Da sprach der König: „Dänemark läßt so den Kopf hängen, als sei mein Sohn Knútr tot.“ Darauf sagte die Königin: „Diese Nachrichten, die ihr sagt, werden wahr sein, Herr.“ Das bestätigten alle, die drinnen waren. Am selben Tag wurde König Gormr krank und starb am Tag darauf zur selben Zeit. Da war er hundert Jahre lang König gewesen. Ein großer Grabhügel wurde für ihn aufgeworfen. Nun wurde Haraldr zum Herrscher über das gesamte Reich genommen, das sein Vater gehabt hatte. Dann richtete er die Totenfeier für seinen Vater aus und verhielt sich zunächst ruhig.

 

Jarl Hákons Verrat

Zu dieser Zeit herrschten über Norwegen Haraldr Graumantel und seine Mutter Gunnhildr. Da floh Jarl Hákon Sigurðarson aus dem Land. Er hatte zehn Schiffe und ging auf Wikingerfahrt. Im Herbst aber kam er nach Dänemark und ersuchte um die Freundschaft König Haralds. Das gefiel dem König gut und der Jarl war dort den Winter über mit 100 Mann. Knútr, der Sohn König Gorms, hinterließ einen Sohn, der Haraldr hieß und Gold-Haraldr genannt wurde. Er kam kurz nach Hákon von einem Wikingerzug zurück und hatte ebenfalls zehn Schiffe und eine Unmenge Geld. Auch er begab sich zum Gefolge König Haralds. In diesem Winter planten König Haraldr Gormsson und Jarl Hákon einen Anschlag auf Haraldr, den König Norwegens, und dessen Mutter Gunnhildr. Im Frühling überfielen sie ihn im Limfjord. Im Buch der Könige heißt es, daß Gold-Haraldr Haraldr tötete, aber Jarl Hákon ließ danach Gold-Haraldr am Galgen aufknüpfen. Dann übernahm Jarl Hákon die alleinige Herrschaft über Norwegen und sollte dem Dänenkönig Steuern zahlen.

 

König Haraldr wird Christ

Wenig später kam aus Saxland Kaiser Otto mit einem großen Heer nach Dänemark. Da kam auch Óláfr Tryggvason zu seiner Unterstützung. Sie zwangen König Haraldr und Jarl Hákon das Christentum auf. Ganz Dänemark wurde christianisiert, aber Jarl Hákon ging wieder zum Heidentum über, sobald er zurück nach Norwegen kam und zahlte daraufhin nie wieder Steuern.

Ein Mann in Dänemark, in dem Bezirk, der „auf Fünen“ heißt, hieß Tóki. Seine Frau hieß Þorvör. Er hatte zwei Söhne. Der ältere hieß Áki, der andere Pálnir. Der älteste hieß Fjölnir. Er war unehelich geboren. Tóki war damals alt und wurde krank und starb wenig später, ebenso wie seine Frau Þorvör. Die Brüder Áki und Pálnir übernahmen das Erbe. Da fragte Fjölnir seine Brüder, was sie ihm von dem Eigentum zudächten. Sie sagten, sie würden ihm ein Drittel der losen Habe abgeben, aber nichts von dem Landbesitz, und sie meinten, ihm da einen guten Anteil zuzugestehen. Er aber erhob Anspruch auf ein Drittel allen Eigentums, so, als sei er voll erbberechtigt. Seine Brüder schlugen ihm das ab. Fjölnir gefiel das übel und er begab sich fort zu König Haraldr und wurde sein Gefolgsmann und Ratgeber. Er war ein kluger und scharfsinniger, aber bösartiger Mann. Er begann nun, seinen Bruder Áki beim König zu verleumden. Kein Mann von nicht hoher Geburt war zu jener Zeit bedeutender als Áki Tókason. Er war jeden Sommer auf Wikingerzug und siegte fast immer. Fjölnir sagte zu König Haraldr, daß er nicht für den alleinigen Herrscher über Dänemark gehalten werden würde, solange Áki Tókason am Leben sei. Er brachte es mit seinem Gerede so weit, daß das Verhältnis zwischen dem König und Áki angespannt war.

Áki war ein guter Freund Jarl Óttars in Götaland und genoß bei ihm Gastfreiheit. Einmal fuhr er zu einem Gastmahl dorthin und hatte zwei Schiffe und 100 Mann, die alle gut mit Waffen und Kleidung ausgestattet waren. Er war einige Zeit lang dort. Zum Abschied erhielt Áki gute Geschenke von dem Jarl und fuhr anschließend zurück. König Haraldr erfuhr, daß Áki das Land verlassen hatte. Er ließ zehn Schiffe und 100 Mann ausrüsten und befahl ihnen, loszufahren und Áki bei seiner Rückkehr aufzulauern und ihm und allen seinen Fahrtgenossen das Leben zu nehmen. Anschließend fuhren die Männer des Königs los und kundschafteten Ákis Fahrtrouten aus. Das war leicht, weil Áki nicht damit rechnen konnte. Da fielen die Königsleute überraschend über sie her und griffen sie mit Waffen an und ließen die Zelte über sie fallen. Sie waren nicht darauf vorbereitet und wurden alle erschlagen.

Danach brachten die Königsleute dem König die gesamte Beute. Der König äußerte sich wohlwollend darüber und sagte, nun würde er ohne Áki der alleinige Herrscher sein. Fjölnir war sehr zufrieden und meinte, es ein wenig vergolten zu haben, daß er nicht das Erbe bekommen hatte.

Nun wurden diese Ereignisse auf Fünen bekannt. Als Pálnir das hörte, war er so erschüttert, daß er sich deswegen ins Bett legte. Rache erschien ihm aussichtslos, da es sich um den König handelte. Ein Mann hieß Sigurðr und war Ákis und Pálnirs Ziehbruder, ein kluger und wohlhabender Mann. Pálnir fragte ihn um Rat, wie er sich verhalten solle. Sigurðr sagte, er wolle für ihn um eine Frau werben. Pálnir fragte, wer diejenige sei. Sigurðr sagte, es sei Ingibjörg, die Tochter Jarl Óttars von Götaland. Pálnir sagte: „Ich befürchte, daß ich diese Frau nicht bekommen werde. Aber gewiß meine ich, daß es das beste wäre, um mein Leid zu verringern, wenn ich diese Frau erhielte.“ Nun bereitete Sigurðr sich zur Abfahrt vor. Er hatte ein Schiff und 60 Mann und fuhr nach Norden nach Götaland. Sigurðr erklärte dem Jarl sein Anliegen und bat für Pálnir um die Hand seiner Tochter. Er sagte, es fehle Pálnir nicht an Besitz auf Fünen und daß ihm aufgrund des Kummers der Tod drohe. Schließlich versprach der Jarl Pálnir seine Tochter und daß er sie selbst zu ihm bringen würde. Anschließend fuhr Sigurðr nach Hause und berichtete Pálnir diese Neuigkeit, was diesen sehr erleichterte. Sie bereiteten nun ein prächtiges Fest auf Fünen vor und sparten an nichts. Am vereinbarten Tag kam der Jarl mit einem großen Gefolge. Es wurde eine stattliche Hochzeit gefeiert und dann wurden Pálnir und Ingibjörg in ihr Ehebett geführt. Sie schlief schnell ein und hatte einen Traum. Als sie aufwachte, erzählte sie Pálnir den Traum. „Ich träumte,“ sagte sie, „daß ich hier auf diesem Hof war und ein Gewebe auf dem Webstuhl hatte, das von grauer Farbe war. Die Websteine waren daran befestigt und ich war dabei, zu weben. Dann fiel einer der Steine von der Mitte des Gewebes nach hinten. Da sah ich,daß die Websteine Menschenköpfe waren. Ich hob den einen Kopf auf und erkannte ihn.“ Pálnir fragte, wessen Kopf es gewesen sei und sie sagte, es sie der des Königs Haraldr Gormsson. Pálnir sagte, es sei besser, dies geträumt zu haben als nicht. „Das meine ich auch,“ sagte sie. Nach diesem Fest fuhr Jarl Óttar mit ehrenvollen Geschenken nach Hause nach Götaland. Zwischen Pálnir und Ingibjörg entwickelte sich große Liebe und bald bekamen sie einen Sohn zusammen. Dieser wurde Pálnatóki genannt. Er wuchs auf Fünen auf und war schnell sowohl groß als auch klug und beliebt. Und als Pálnatóki beinahe kein Kind mehr war, wurde sein Vater krank und starb. Pálnatóki übernahm nun zusammen mit seiner Mutter die Verwaltung des gesamten Besitzes. Er ging nun jeden Sommer auf Raubzug und wurde berühmt. Niemandem schien er von seinem Wesen her ähnlicher zu sein als seinem Onkel Áki.

 

Pálnatóki

Zu jener Zeit herrschte über Wales ein Jarl, der Stefnir hieß. Er hatte eine Tochter namens Álof. Sie war klug und beliebt. Pálnatóki kam mit seinen Schiffen dort an Land und wollte im Reich Jarl Stefnirs plündern. Als dies bekannt wurde, beriet sich Álof mit Björn dem Waliser, der ihr Ratgeber war. Sie luden Pálnatóki zu einem Gastmahl ein und boten ihm große Ehren an und daß er dort Frieden genösse und nicht plündere. Das nahm Pálnatóki an. Er besuchte das Gastmahl mit seiner gesamten Mannschaft. Bei diesem Fest bat Pálnatóki um Álofs Hand, und die war leicht zu erlangen. Es wurde sofort zur Hochzeit übergegangen. Noch dazu gab Jarl Stefnir Pálnatóki den Jarlstitel und die Häfte seines Reichs und er sollte nach ihm alles erhalten. Pálnatóki war den Sommer und den Winter über dort, aber im Frühling sprach er mit Björn dem Waliser: „Jetzt will ich nach Hause nach Dänemark. Ich möchte, daß du hier bei meinem Schwiegervater Stefnir bleibst und die Herrschaft für mich ausübst.“

 

Æsas und des Königs Gespräch

Anschließend fuhr Pálnatóki mit seiner Frau Álof nach Hause nach Fünen in Dänemark. Er hielt sich nun einige Zeit zu Hause auf seinen Höfen auf und wurde für den zweitwichtigsten und mächtigsten und am besten mit Verstand ausgestatteten Mann in Dänemark nach dem König gehalten. König Haraldr reiste nun zu verschiedenen Gastmählern über das Land. Pálnatóki bereitete ein Gastmahl vor und lud König Haraldr ein, was der König annahm. Er war lange dort bei dem Gastmahl. Eine Frau, die Æsa hieß und Näh-Æsa genannt wurde, wurde angestellt, um den König zu bedienen. Sie war eine arme Frau, aber doch sehr geschickt. Nun fuhr der König von dem Gastmahl fort und wurde reich beschenkt. Im Sommer darauf war Näh-Æsa schwanger. Pálnatóki sprach mit ihr und fragte, wer mit ihr daran beteiligt sei. Sie sagte, es sei niemand anderes als der König. „Dann werde ich dich bis zur Geburt von der Arbeit freistellen.“

Nun verging die Zeit und Æsa gebar ein Kind. Ihm wurde der Name Sveinn gegeben und er wurde Näh-Æsa-Sveinn genannt. Er wuchs auf Fünen auf und Pálnatóki und seine Leute behandelten ihn gut. Als Sveinn drei Jahre alt war, kam der König zu einem Gastmahl nach Fünen. Nun besprach sich Pálnatóki mit Näh-Æsa. An einem Tag, als der König zu Tisch saß, trat Æsa vor den Tisch und führte den Knaben mit sich und sprach: „Herr König,“ sagte sie, „hier führe ich einen Knaben mit mir und es kommt niemand anderes als Vater in Frage als Ihr, König.“ Als sie aufhörte zu sprechen, fragte der König schnell, wer sie sei. Sie nannte ihren Namen. „Du bist eine außerordentlich dreiste und dumme Frau. Und wage nicht, so etwas zu sprechen, wenn du unbeschadet bleiben willst!“ Pálnatóki sprach: „Sie wird das sagen, Herr, weil es ihr als wahr erscheinen wird. Sie ist keine leichtlebige Frau und wir haben ihr Euretwegen Schutz gewährt.“ Der König antwortete: „Ich habe nicht erwartet, daß du mir so etwas anlasten würdest.“ „So soll es aber sein“, sagte Pálnatóki. „Ich werde ihn so gut behandeln, als sei er dein Sohn.“ Der König sprach: „Ich werde dir in keiner Weise dafür dankbar sein.“ Pálnatóki sagte: „Das wird nichts ändern. Wir sollten diese Thema vorerst beenden.“ Anschließend verließ der König das Gastmahl ohne Geschenke und das Verhältnis zwischen ihm und Pálnatóki war kühl.

 

Sveins und König Haralds Gespräch

Wenig später gebar Álof einen Jungen. Dieser wurde Áki genannt. Er wurde bei seinem Vater auf Fünen großgezogen. Sveinn war nun dort bis er 15 Jahre alt war. Da forderte Pálnatóki ihn auf, zu seinem Vater zu fahren, ihn um Mannschaft zu bitten und sich als seinen Sohn zu bezeichnen, ob ihm das gefiele oder nicht.

Sveinn tat nun, wie ihm sein Ziehvater geraten hatte. König Haraldr sagte: „Ich erkenne an deiner Redeweise, daß über deine Abstammung mütterlicherseits nicht gelogen sein wird. Du wirst ein Narr und Dummkopf sein.“ Da sprach Sveinn: „Ich würde gerne eine vornehmere Mutter haben, wenn du dafür gesorgt hättest. Aber es ist wahr, daß du mein Vater bist. Gib mir jetzt drei Schiffe, und mein Ziehvater wird mir weitere drei geben. Aber wenn du das nicht willst, werde ich dir irgendeinen Schaden zufügen, der dich teurer zu stehen kommt.“ Der König sprach: „Ich erwarte, daß dadurch dein Abzug zu erkaufen sein wird und daß du nie wieder kommst.“ Dann gab der König Sveinn drei Schiffe und 100 Mann. Pálnatóki gab Sveinn weitere drei Schiffe. Er plünderte den ganzen Sommer lang im Reich seines Vaters. Bei den Bauern kam es zu schlimmem Murren. Der König kümmerte sich nicht darum. So verging die Zeit bis zum Herbst. Dann fuhr Sveinn nach Hause nach Fünen und war den Winter über bei Pálnatóki. Im Frühling fuhr Sveinn zu König Haraldr und alles geschah auf dieselbe Weise. Sveinn bekam nun sechs Schiffe vom König und Pálnatóki gab ihm weitere sechs. Sveinn plünderte erneut im Reich seines Vaters und war dabei noch wilder als zuvor. Er ließ nie von den Bauern ab und plünderte sowohl auf Seeland als auch in Halland. Sie erschlugen viele Männer. Diese Nachrichten wurden nun weit umher bekannt. Die Bauern begaben sich zu König Haraldr und erzählten ihm von ihrer schwierigen Lage, aber der König kümmerte sich wieder nicht darum.

Im Herbst fuhr Sveinn mit seiner ganzen Mannschaft zu Pálnatóki und war den Winter über dort. Als der Frühling heranrückte, rüstete Sveinn seine Mannschaft aus und tat alles so, wie es ihm sein Ziehvater riet. Er begab sich zum König und verlangte von ihm zwölf Schiffe. Der König sagte: „Du bist ein so dreister Mann, daß ich nicht deinesgleichen kenne, da du es wagst, zu mir zu kommen, wo du doch ein Dieb und Räuber bist. Und die Verwandtschaft mit dir erkenne ich nie an.“ Sveinn sagte: „Gewiß bin ich dein Sohn und unsere Verwandtschaft ist wahr, aber dennoch werde ich dich nicht schonen, denn wir werden jetzt sofort miteinander kämpfen, wenn du mir nicht das gibst, was ich will und du wirst dich nirgends davonschleichen können.“ Der König sagte: „Du bist ein schwieriger Mann und von derartiger Gesinnung, daß du nicht von geringen Leuten abstammen wirst und du wirst das bekommen, was du verlangst. Fahr dann weg und komm nie zurück.“ Nun fuhr Sveinn mit 30 Schiffen zu Pálnatóki. Der empfing ihn gut, „und du scheinst mir das gut auszuführen, was ich dir rate. Jetzt sollst du so viel wie möglich den Sommer über in Dänemark plündern, da du jetzt die größte Heeresstärke hast. Aber nun wird der König dich nicht länger erdulden. Du aber flieh nicht, auch wenn du von einem Heer verfolgt wirst, denn ich werde kommen, um dir zu helfen. Ich habe vor, im Sommer mit diesen neun Schiffen nach Wales zu meinem Schwiegervater Jarl Stefnir zu fahren.“

Nun trennten sie sich und fuhren beide gleichzeitig außer Landes. Sveinn plünderte nun Tag und Nacht in Dänemark, tötete Menschen, raubte alles Wertvolle und verbrannte ganze Gegenden. Die Landesbewohner, denen so übel mitgespielt wurde, flohen nun und erzählten dem König davon. Ihm schien, daß es so nicht weitergehen konnte. Der König ließ nun 50 Schiffe ausrüsten und kam selbst mit. Sie suchten nach Sveinn und trafen im Herbst bei Bornholm auf ihn. Es war so spät, daß man meinte, nicht mehr angreifen zu können. Aber sobald es am Morgen hell genug zum Kampf war, fuhren sie mit ihren Schiffen aufeinander los und kämpften den ganzen Tag bis zum Abend. Da waren zehn von König Haralds Schiffen leergeräumt und zwölf von Sveins. Sveinn steuerte nun seine Schiffe am Abend in das Innere der Bucht, aber der König versperrte mit seinen Schiffen die Bucht und schloß Sveinn darin ein. Am selben Abend gelangte Pálnatóki dort mit 24 Schiffen zum Land. Er ankerte auf der anderen Seite bei der Landspitze und errichtete dort seine Zelte.

Dann ging Pálnatóki alleine an Land. Er hatte seinen Bogen und einen Köcher dabei. Am selben Abend ging König Haraldr mit elf Mann an Land. Sie begaben sich in den Wald und machten sich ein Feuer, um sich daran zu wärmen. Es war dunkle Nacht. Der König entkleidete sich und buk sich am Feuer. Pálnatóki sah das Feuer im Wald und ging im Bogen dorthin und erkannte die Männer. Nun legte er einen Pfeil auf den Bogen und durchschoß König Haraldr. Der fiel sofort tot nieder. Pálnatóki begab sich sogleich zurück zu seiner Mannschaft, aber König Haralds Begleiter drängten sich um diesen. Sie sprachen unter sich darüber, wie sie sich nun verhalten sollten. Fjölnir sprach: „Mein Ratschlag ist, daß wir alle dieselbe Geschichte erzählen, daß der König im Kampf erschossen worden sei, denn das kann am wenigsten unserer Unachtsamkeit zur Last gelegt werden.“ Das bekräftigten sie nun mit festen Abmachungen. Fjölnir nahm den Pfeil und verwahrte ihn. Er war leicht zu erkennen, weil er mit Golddraht umwickelt war.

Pálnatóki bestimmte 20 Männer, mit ihm zu kommen und sagte, er wolle Sveinn treffen. Sie begaben sich nun quer über die Landspitze und berieten sich. Sveinn sagte, daß er wollte, daß Pálnatóki ihnen zu etwas riet. Pálnatóki sagte niemandem vom Tod des Königs. Er sprach: „Wir werden nicht lange mit einer Entscheidung warten. Wir werden mit euch auf die Schiffe gehen. Dann werden wir alle unsere Schiffe voneinander loslösen und auf die Flotte des Königs losrudern. Es ist mir zuwider, daß der König uns hier einschließt und erschlägt.“ Nun wurde so getan. Sie ruderten nun zum Angriff auf die Flotte. Dabei kenterten drei Schiffe aus dem Heer des Königs und nur die Männer überlebten, die schwimmen konnten. Durch diese Lücke ruderten Pálnatóki und Sveinn mit allen ihren Schiffen und gelangten so zu dem Heer, das Pálnatóki dorthin gebracht hatte.

Am Morgen griffen sie die Königsleute an und erfuhren, daß der König gestorben war. Da sprach Pálnatóki: „Jetzt gibt es zwei Möglichkeiten: Mit uns zu kämpfen oder Sveinn als König zu akzeptieren.“ Sie wollten nun lieber Sveinn annehmen. Dann fuhren sie beide und luden zu einem Thing. Dort wurde Sveinn als König über ganz Dänemark akzeptiert. Nun, da Sveinn König geworden war, meinte er verpflichtet zu sein, eine Totenfeier für seinen Vater auszurichten und lud Pálnatóki dazu ein. Aber der sagte, er könne nicht vor Beginn des Winters kommen, „denn mir wurde gesagt, daß mein Schwiegervater Stefnir tot sei und mir gehört das ganze Reich dort.“ Nun unterblieb die Totenfeier diesen Herbst und Pálnatóki fuhr außer Landes. Er bestimmte seinen Sohn Áki als Verwalter seines Besitzes auf Fünen und bat König Sveinn, ihn gut zu behandeln. Das versprach der König und tat es auch so. Pálnatóki fuhr nun nach Wales, übernahm dort das Reich und das Jahr verging. Im Sommer darauf schickte König Sveinn Männer zu Pálnatóki, um ihn zur Totenfeier einzuladen. Pálnatóki sagte, er könne noch nicht fahren und die Totenfeier unterblieb dieses Jahr. Als es Sommer wurde, ließ König Sveinn die Totenfeier vorbereiten und schickte Männer zu Pálnatóki. Er forderte ihn auf, nun zur Totenfeier zu kommen und sagte, ihm drohe sein Zorn, wenn er diesmal nicht führe. Pálnatóki sagte den Gesandten, daß er nun kommen würde und der König das Gelage vorbereiten lassen solle. Der König ließ nun die Totenfeier vorbereiten und lud eine Menge Leute ein. Als alles vorbereitet war und die Gäste gekommen waren, verging der Tag ohne daß Pálnatóki kam, und die Leute begannen zu trinken. Der König ließ für Pálnatóki den Platz auf dem Hochsitz auf der niedrigeren Bank frei und für seine Männer in Richtung der Tür. Dann begannen sie zu trinken. Nun ist von Pálnatóki und Björn dem Waliser zu berichten, daß sie drei Schiffe und hundert Mann hatten, je zur Hälfte Dänen und Waliser. Sie kamen am selben Abend zum Hof des Königs. Das Wetter war sehr gut. Sie wendeten ihre Schiffe, vertäuten sie und legten die Ruder in die Ruderlöcher. Dann gingen sie mit der ganzen Mannschaft zum Hof des Königs. Pálnatóki ging zusammen mit allen anderen in die Halle, trat vor den König und grüßte ihn. Der König empfing ihn gut und wies ihm und seinen Gefährten ihre Plätze zu. Sie begannen nun zu trinken. Fjölnir neigte sich zum König und sprach eine Zeit lang leise mit ihm. Dabei veränderte der König seine Farbe und wurde rot wie Blut.

 

Pálnatóki erkennt seinen Pfeil an

Ein Mann hieß Arnoddr und war ein Kerzenträger des Königs. Er stand vor seinem Tisch. Fjölnir gab ihm einen Pfeil und befahl ihm, ihn vor alle Männer, die in der Halle waren, zu tragen, solange, bis irgendjemand zugebe, daß er ihm gehöre. Er ging zuerst von Innen vom Sitz des Königs nach weiter draußen bis zur Türe. Dann ging er nach innen vor Pálnatóki und fragte ihn, ob er diesen Pfeil erkenne. Pálnatóki sagte: „Warum sollte ich nicht meinen Pfeil erkennen. Gib ihn mir, er gehört mir.“ Da herrschte tiefes Schweigen in der Halle, als jemand sich diesen Pfeil zuschrieb. König Sveinn sprach: „Du, Pálnatóki, wo trenntest du dich zuletzt von diesem Pfeil?“ Pálnatóki sagte: „Ich bin dir oft zuwillen gewesen, Ziehsohn, und so soll es noch einmal sein. Ich trennte mich von ihm auf der Bogensehne, als ich deinen Vater durchschoß.“ Der König sprach: „Männer, steht so schnell wie möglich auf und ergreift Pálnatóki und seine Leute. Sie sollen alle getötet werden, denn jetzt ist das gute Verhältnis zwischen uns zerschlagen.“ Alle in der Halle sprangen auf. Pálnatóki zog sein Schwert und schlug seinen Verwandten Fjölnir entzwei. Dann versuchte er, mit allen seinen Männern nach draußen zu kommen. Weil er dort sehr beliebt war, wollte ihm niemand Schaden zufügen.

Nun waren Pálnatóki und alle seine Leute aus der Halle hinausgekommen, bis auf einen Mann von Björns Gefolge. Pálnatóki sprach: „Mehr war nicht zu erwarten, und eilen wir jetzt zu den Schiffen.“ Björn sagte: „Du würdest nicht von einem deiner Männer so weglaufen und ich werde es auch nicht tun.“ Er wendete sich zurück in die Halle. Die drinnen warfen den Waliser über ihren Köpfen umher und hatten ihn beinahe zerrissen. Björn ging nun hinzu, ergriff den toten Mann und warf ihn sich auf den Rücken. Das tat Björn hauptsächlich um seines Ruhmes willen. Dann begaben sie sich zu ihren Schiffen, legten sich in die Riemen und ruderten fort. Sie hielten nicht an bis sie nach Wales kamen.

König Sveinn und seine Leute setzten die Totenfeier fort, aber die Sache gefiel ihm schlecht. Im Sommer darauf wurde Pálnatókis Frau Álof krank und starb. Nun gefiel es ihm nicht länger in Wales. Er setzte Björn den Waliser in die Herrschaft ein, verließ das Land mit 30 Schiffen und fuhr auf Raubfahrt und begann, in Schottland und Irland zu plündern. Diese Beschäftigung pflegte er drei Jahre lang und verschaffte sich großen Reichtum und Ruhm. Im vierten Sommer segelte Pálnatóki mit 40 Schiffen nach Osten nach Wendenland.

 

König Burizleifs Freundschaftsangebot an Pálnatóki

Zu dieser Zeit herrschte über Wendenland der König, der Burizleifr hieß. Er erfuhr von Pálnatóki und dessen Kriegszug gefiel ihm schlecht, weil dieser beinahe immer den Sieg davontrug und berühmter war als alle anderen. Der König beschloß, Gesandte zu Pálnatóki zu schicken und diesen zu sich einzuladen. Er sagte, er wolle ihm Freundschaft entgegenbringen. Diesem Angebot fügte der König das hinzu, daß er ihm einen Teil seines Landes, der „auf Jóm“ hieß, geben wolle, damit er sein Land und seine Herrschaft verteidige. Dies nahm Pálnatóki an und ließ sich mit allen seinen Männern dort nieder. Er ließ dort schnell eine große und stark gebaute Burg errichten. Einige Teile der Burg reichten ins Meer hinaus, und in diesen ließ er einen so großen Hafen anlegen, daß in diesem 300 Langschiffe liegen konnten, so daß sie alle innerhalb der Burg eingeschlossen waren. Dort wurde mit so großer Kunstfertigkeit gebaut, daß es ein Tor mit einem großen Steinbogen darüber gab. Vor dem Tor waren eiserne Türflügel, die von innerhalb des Hafens verschlossen wurden. Auf dem Steinbogen wurde eine große Schanze errichtet, in der Wurfmaschinen standen. Diese Burg wurde Jómsborg genannt.

 

Verhaltensregeln

Anschließend setzte Pálnatóki mit dem Rat weiser Männer Gesetze für die Jómsborg fest, damit ihr Ruhm möglichst weit bekannt und ihre Schlagkraft am allergrößten würde. Ihre Gesetze begannen damit, daß sich kein Mann dorthin begeben sollte, der älter als 50 und keiner, der jünger als 18 Jahre wäre. Dazwischen sollten alle sein. Verwandtschaft sollte keine Bedeutung haben, wenn jemand sich in ihre Gesetzesgemeinschaft begeben wollte. Keiner sollte vor einem an Kampfkraft und Waffenausrüstung ebenbürtigen Mann fliehen. Jeder sollte den anderen rächen wie seinen eigenen Bruder. Keiner sollte Angst äußern oder irgendetwas fürchten, wie hoffnungslos die Situation auch schiene. Alles, was sie auf Kriegsfahrten erbeuteten, sollte zur StangeEine Stange wird oft als Kennzeichnung einer Beutesammelstelle genannt. getragen werden, sowohl Kleineres als auch Größeres, das wertvoll wäre. Wenn einer das nicht täte, sollte er sich fortbegeben müssen. Keiner sollte dort einen Streit entfachen. Wenn Neuigkeiten kämen, sollte keiner so unbesonnen sein, daß er sie mit lauter Stimme sagte, denn Pálnatóki sollte dort alle Neuigkeiten verkünden. Kein Mann sollte eine Frau in der Burg haben und keiner länger als drei Nächte von dort fort sein. Und selbst wenn ein Mann unter ihnen aufgenommen würde, der den Vater, Bruder oder irgendeinen Nahestehenden eines Mannes, der dort bereits zuvor gewesen war, erschlagen hätte und dies im Nachhinein herauskäme, da sollte Pálnatóki über alles das urteilen und über jede Uneinigkeit, die zwischen ihnen entstünde. Unter diesen Bedingungen saßen sie nun in der Burg und hielten ihre Gesetze gut. Sie fuhren jeden Sommer auf Kriegszug in unterschiedliche Länder und schufen sich Ruhm. Sie wurden für die besten Krieger gehalten, denen beinahe niemand zu ihrer Zeit glich, und sie wurden Jómsvíkingr genannt.

Zu dieser Zeit herrschte über Seeland ein Jarl, der Haraldr hieß und Strút-HaraldrAltnordisch strútr bezeichnet einen hochstehende Spitze auf einer Kopfbedeckung. genannt wurde. Er wurde deshalb so genannt, weil er einen Hut hatte, in den Gold im Gewicht von zehn Mark eingearbeitet war. Seine Frau hieß Ingibjörg, ihr erster Sohn Sigvaldi, der zweite Þorkell der Hohe und ihre Tochter hieß Tófa.

Ein Mann hieß Véseti und herrschte über Bornholm. Seine Frau hieß Hildigunn. Ihr einer Sohn hieß Búi, der andere Sigurðr Mantel. Ihre Tochter hieß Þorgunn.

Pálnatókis Sohn Áki lebte auf Fünen und König Sveinn behandelte ihn in jeder Hinsicht hervorragend. Sveinn warb für ihn um die Hand Þorgunns und mit dieser Frau bekam er einen Sohn, der Vagn genannt wurde. Er wuchs dort bei ihnen zu Hause auf. Ákis Lebensverhältnisse waren ausgezeichnet.

Es wird von Vagn berichtet, daß, als er einige Jahre alt war, ein von seinem Wesen her ein schwieriger zu handhabender Mensch als andere war. Er schlug und prügelte auf alles ein. Er war damals abwechselnd zu Hause und auf Bornholm bei seinem Großvater Véseti, weil weder dieser noch seine Eltern meinten, mit ihm fertig werden zu können. Mit Búi verstand er sich von allen seinen Verwandten am besten und er tat am ehesten das, was dieser sagte, während es ihm egal war, was andere sagten. Er war ein sehr schöner Mann und geschickt in allen Dingen und kräftig. Búi, sein Onkel mütterlicherseits, war schweigsam und stolzen Sinnes. Er war so stark, daß die Menschen seine Kraft nicht genau abschätzen konnten. Er war nicht schön, aber doch umgänglich. Sigurðr Mantel war schön, sehr tapfer und äußerst schweigsam.

Sigvaldi, Jarl Haralds Sohn, war von blasser Gesichtsfarbe, hatte hervorragende Augen und eine häßliche Nase. Er war großgewachsen und flink. Sein Bruder Þorkell war ein sehr großer und starker Mann und beide waren sie sehr klug.

Sigvaldi und Þorkell fragten ihren Vater, wie ratsam es ihm erschiene, daß sie die Jómsborg aufsuchten. Der Jarl sagte, dies sei zu empfehlen, „und es ist höchste Zeit für euch, euch zu erproben.“ Sie fragten, ob er ihnen Waffen und Verpflegung stellen würde. Der Jarl sagte, entweder sollten sie nirgendwohin fahren oder sich beides selbst verschaffen. Sie wollten aber nichts desto trotz fahren. Sie rüsteten nun zwei Schiffe und 100 Mann aus, die sie so sorgfältig auswählten, wie sie konnten. Dann fuhren sie nach Bornholm. Dort rannten sie aufs Land hinauf und plünderten den von Vésetis Höfen, der am reichsten war. Sie raubten dort alles Wertvolle und trugen es dann auf ihre Schiffe. Es ist nichts von ihrer Fahrt berichtet, bis sie zur Jómsborg kamen.

Pálnatóki ging immer mit großem Gefolge auf die Schanze, die über der Meerenge war, um von dort aus mit den Männern zu sprechen, die zur Burg kamen. Nun erfuhr er von der Ankunft Sigvaldis und Þorkels. Pálnatóki ging mit großem Gefolge auf die Schanze und fragte, wer über die Schiffe befehlige. Sigvaldi sagte: „Hier bestimmen zwei Brüder, die Söhne Jarl Strút-Haralds. Und das ist unser Anliegen, daß wir uns euch anschließen wollen mit den Männern, die du aus unserer Mannschaft für brauchbar hältst.“ Pálnatóki besprach sich nun mit seinen Gefährten und sagte, er kenne ihre Abstammung und sie seien von guter Herkunft. Die anderen baten Pálnatóki, darüber zu entscheiden. Nun wurde die Burg aufgeschlossen und sie ruderten in sie hinein. Dann wurde ihre Mannschaft erprobt. Die eine Hälfte war brauchbar, während die andere wegfuhr. Anschließend wurden die Brüder in die Gemeinschaft aufgenommen.

 

Véseti klagt

Nun ist da weiter zu erzählen, wo Véseti seines Hofes beraubt wurde. Er begab sich zu König Sveinn und sagte ihm, was geschehen war, hielt aber seine Söhne von aller Gewalttätigkeit zurück. Der König riet ihm, sich zunächst ruhig zu verhalten. „Ich aber werde Jarl Strút-Haraldr eine Botschaft schicken und herausfinden, ob er für seine Söhne bezahlen möchte, so daß du zufriedengestellt wirst. In dem Fall will ich, daß du es dabei bewenden läßt.“ Nun fuhr Véseti nach Hause und König Sveinn schickte Gesandte zu Jarl Haraldr. Dieser begab sich zum König und der sagte ihm, was seine Söhne Véseti angetan hatten und forderte ihn auf, Schadensersatz dafür zu leisten und damit wäre die Sache aus der Welt. Der Jarl sagte: „Noch habe ich die Güter nicht bekommen, für die ich bezahlen würde, auch wenn junge Männer sich Rinder oder Schafe zur Verpflegung nehmen.“ Der König sagte: „Dann kannst du nach Hause fahren, denn ich habe dir nun gesagt, was ich wollte. Aber du schütze dich selbst und dein Vermögen vor Véseti und seinen Söhnen.“ Jarl Haraldr sagte, er habe keine Angst vor Véseti und dessen Söhnen. Anschließend fuhr Jarl Haraldr nach Hause.

 

Der Vergleich des Königs

Véseti und seine Söhne erfuhren von der Unterhaltung des Jarls und des Königs. Sie rüsteten drei Schiffe und 200 Mann so gut wie möglich aus und fuhren dann nach Seeland. Sie plünderten die drei reichsten Höfe, die Jarl Haraldr gehörten, und fuhren anschließend nach Hause. Nun erfuhr Jarl Haraldr, daß er beraubt worden war. Er schickte daraufhin Männer zu König Sveinn und bat ihn, sie zu versöhnen, und sagte, daß er das nun gerne wollte. König Sveinn sagte: „Jarl Haraldr soll nun seinen eigenen Ratschlägen folgen, da er meine nicht haben wollte. Ich will damit nichts zu tun haben.“ Die Gesandten fuhren zurück und berichteten, wie es stand. Der Jarl sagte: „Da werden wir unsere eigenen Beschlüsse fassen müssen, wenn der König untätig sein will.“ Jarl Haraldr rüstete nun zehn Schiffe aus, fuhr nach Bornholm und plünderte dort drei von Vésetis Höfen, die nicht schlechter waren als die, die ihm zuvor genommen worden waren. Dann fuhr Jarl Haraldr zurück und meinte, daß es ihm überaus gut ergangen sei. Véseti erfuhr dies und begab sich sofort zum König. Der König empfing ihn gut. Véseti sprach: „Es entwickelt sich jetzt so zwischen mir und Jarl Haraldr, daß ich glaube, daß es zu einem Bürgerkrieg kommen wird, wenn du dich nicht einmischst. Es kann sein, daß es dir jetzt nicht schlechter erschiene als später.“ Der König sagte: „Ich werde bald zum Íseyrar-Thing fahren. Dorthin werde ich Jarl Haraldr laden und ihr sollt dort ausgesöhnt werden.“ Véseti fuhr nun nach Hause.

Die Zeit bis zum Thing verging. König Sveinn suchte das Thing mit großer Mannschaft auf, weil er allein zwischen ihnen entscheiden wollte. Er hatte 50 Schiffe. Jarl Haraldr hatte nur eine kurze Anreise und 20 Schiffe. Véseti fuhr auch zum Thing und hatte nur fünf Schiffe, aber seine Söhne waren nicht dort. Jarl Haraldr hatte seine Zelte nur wenig vom Meer entfernt stehen. Véseti stellte seine Zelte bei der Meeresenge nahe des Thingplates auf. Als der Abend verging, sah man zehn Schiffe von Jarl Haralds Lager her zum Thing fahren. Das waren die Söhne Vésetis. Sie ankerten und die Besatzung ging hinauf zum Thing. Búi war stattlich gekleidet, denn er hatte Jarl Haralds Prunkkleidung an, die 20 Mark Gold wert war. Er hatte auch den mit zehn Mark Gold ausgestatteten Hut des Jarls auf dem Kopf. Außerdem hatten sie dem Jarl zwei Kisten abgenommen, in denen jeweils 90 Mark Gold waren. Sie gingen vollständig bewaffnet und mit angriffsbereitem Gefolge aufs Thing. Da begann Búi zu sprechen: „Nun ist die Gelegenheit, Jarl Haraldr, deine Waffen zu ergreifen, wenn du es wagst zu kämpfen und irgendwelcher Mut in dir steckt, denn ich bin jetzt bereit, mit dir zu kämpfen. König Sveinnn hörte Búis Worte und meinte zu sehen, daß er seine Autorität nicht aufrechterhalten können würde, wenn dies geschähe. Der König trat nun zwischen sie, so daß sie sich nicht kämpfen konnten. Beide Seiten waren nun gezwungen, sich dem Urteil des Königs zu unterwerfen. Búi bestand bei dem Vergleich darauf, niemals die Goldkisten des Jarls herzugeben. Es ist die Ansicht der Leute, daß er das auch durchgesetzt hätte. König Sveinn schloß den Vergleich ab und er enthielt das, „daß du Búi, die Prunkkleidung des Jarls herausgeben sollst, aber die beiden Goldkisten sollst du behalten. Ihr sollt auch die drei Höfe des Jarls, die ihm ausgeraubt wurden, auf die Weise entgelten, daß der Jarl seine Tochter Tófa mit Sigurðr Mantel verheiraten soll und diese drei Höfe ihre Mitgift sein sollen. Beide Seiten akzeptierten die Entscheidung gerne. Véseti gab Sigurðr ein Drittel allen Besitzes und Sigurðr war mit seiner Heirat sehr zufrieden. Sie schlossen auch die Hochzeit direkt an das Thing an und beide Seiten luden auch König Sveinn dazu ein. Die Heirat Sigurðs und Tófas wurde nun mit viel Würde gefeiert. Dann fuhr Véseti nach Hause und verhielt sich ruhig.

Als seine Söhne eine kurze Weile daheim gewesen waren, bekam Búi Lust, zur Jómsborg zu fahren und so seinen Ruhm zu vergrößern. Sigurðr wollte mitkommen, obwohl er verheiratet war. Die Brüder bereiteten sich zur Abfahrt vor und hatten zwei Schiffe und 100 Mann und wollten es den Söhnen Strút-Haralds gleichtun. Sie kamen zur Jómsborg und ankerten außerhalb des Hafentores. Nun gingen die Anführer mit großem Gefolge auf die Schanze. Sigvaldi erkannte die angekommenen Männer. Nun trug Búi sein Anliegen vor. Er sagte, er wollte sich Pálnatókis Mannschaft anschließen, wenn dieser ihn und seinen Bruder aufnehmen wollte. Da sprach Sigvaldi: „Wie habt ihr und Strút-Haraldr euren Streit beigelegt, bevor ihr das Land verließt?“ Búi sagte: „Die Geschichte unserer Auseinandersetzung ist lang und ich kann sie jetzt nicht erzählen, aber wir sind gemäß dem Urteil des Königs verglichen.“ Nun sprach Pálnatóki zu seinen Männern: „Wollt ihr es darauf ankommen lassen, ob diese Männer die Wahrheit sagen oder nicht? Ich wäre begierig darauf, sie aufzunehmen, denn wenige in unserer Mannschaft werden wie sie sein.“ Sie sagten: „Wir wollen, daß du sie in unsere Gemeinschaft aufnimmst, wenn es dir passend erscheint. Aber falls später einige Dinge über ihr Verhalten herauskommen, die wir nicht wissen, dann soll das wie anderes auch deinem Urteil unterliegen.“ Anschließend wurde die Burg geöffnet und Búi und Sigurðr ankerten mit ihren Schiffen im Hafen. Dann wurde ihr Gefolge erprobt und 80 Mann schienen brauchbar zu sein, aber 40 fuhren nach Hause. Sie saßen nun mit großem Ruhm in der Burg. Jeden Sommer fuhren sie auf Wikingerzug und vollbrachten viele weitere Ruhmestaten.

 

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