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Die Heilkräuterkunde - geschichtliche Einführung
Die Heilkräuterkunde

Eine kurze geschichtliche Einführung


Als die Götter Midgard schufen, schenkten sie uns mit der uns umgebenden Natur nicht nur einen Garten, der uns nährt, sondern auch heilt.
Pflanzen, die Heilkräfte in sich tragen, verwendete der Mensch wohl schon zu Beginn seiner Entwicklungsgeschichte. Anfangs vielleicht instinktiv mit der Nahrungsaufnahme, so wie manche Säugetiere wie Rehe, Wölfe, Affen und Bären es auch tun, später aber bewusst, um Beschwerden zu lindern und Krankheiten zu heilen. Im Laufe der Geschichte lernten wir, Heilpflanzen gezielt einzusetzen und so entwickelte sich die Heilkräuterkunde, auf die wir heute noch oder wieder gern zugreifen.

upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/d/d7/Kassel_millefolium.jpgDas Grab eines Neandertalers in Shanidar (Irak), das auf 60.000 v. Chr. datiert wird, bietet uns einen ersten greifbaren Hinweis auf die Verwendung von Heilpflanzen, denn hier wurden große Mengen Blütenpollen gefunden, die vor allem von Heilkräutern wie Schafgarbe, Eibisch und Meerträubel stammten.
Aus der Zeit des Cro-Magnon-Menschen (ca. 40.000 - 12.000 v. Chr.) und auch der Jungsteinzeit, in der die Menschen sesshaft wurden, lassen weitere Heilpflanzenfunde auf Kräuteranwendugen schließen.

Zu den ältesten Aufzeichnungen, die Heilkräuter und dazugehörige Rezepte auflisten, gehören Texte in Keilschrift aus Mesopotamien (um 3000 v. Chr.) und das altindische Ayurveda, welches ebenfalls zu den ältesten überlieferten Heilkünsten gehört, in dem Heilpflanzen eine große Rolle spielen.

Im Alten Ägypten, wo Priester, Ärzte und auch Laien Heilkunde betrieben, hatte die Pflanzenheilkunde einen Höhepunkt. Der "Papyros Ebers" aus dem 16. Jh. v. Chr. beschreibt Krankheiten, Symptome und Diagnosen sowie Rezepte für ihre Heilung.

Auch in der Antike war die Pflanzenheilkunde die bedeutendste Therapieform.
Aus der griechischen Antike kennen wir Hippokrates von Kos (um 460 - 370 v. Chr.), den bekanntesten Arzt des Altertums. Hippokrates wurde schon zu Lebzeiten hoch verehrt und gilt als der Begründer der Medizin als Wissenschaft.

Die römische Antike brachte das berühmteste medizinische Werk ihrer Zeit hervor: die "Materia Medica". Der römische Militärarzt Dioskurides (1. Jh. n. Chr.) beschreibt in seiner Schrift mehr als 800 Heilpflanzen mit präzisen Angaben über Aussehen, Standort, Zubereitung, Aufbewahrung, Wirkung und Anwendung. Bis ins 16. Jh war die Materia Medica das Standardlehrbuch der Arzneimittellehre an den europäischen und arabischen Universitäten. Auch die Werke weiterer berühmter Ärzte und Naturforscher wie Plinius, Galenus und Celsus stammen aus dieser Zeit.

Kelten und Germanen hatten ihre eigene Heilkunde, die sogar die Medizin des Mittelmeerraums beeinflusste. Leider gibt es keine schriftlichen Aufzeichnungen, die direkt von unseren Vorfahren stammen, aber man kann davon ausgehen, dass es heilkundige Menschen gab.

Bei den Kelten waren es wohl die umfassend ausgebildeten Druiden, bei den germanischen Stämmen vermutlich die Priesterinnen, die in der Heilkunde bewandert waren und zu den Kranken gerufen wurden. Heilkunde und Spiritualität lagen dicht beisammen - bei den Germanen vielleicht in Form eines Schamanentums. Und höchst wahrscheinlich lag die Heilkunde bei unseren germanischen Vorfahren für eine sehr lange Zeit in der Hand von Frauen.
Isländische Sagas berichten von weisen Frauen, den Völur, die u. a. auch für das gesundheitliche Wohlergehen ihrer Mitmenschen sorgten oder als Hebamme tätig waren. Archäologische Untersuchungen von Grabfunden aus der Wikingerzeit bestätigen diese Aussage. Neben ihrem wertvollen Stab und weiteren kostbaren Grabbeigaben hatten alle bestatteten Völur eines gemeinsam: Beutel mit Pflanzensamen von Cannabis oder Bilsenkraut, die zu den psychoaktiven Heilpflanzen zählen.
(Siehe auch Artikel: Die Völva - Seherin aus dem hohen Norden)

Die Kelten, deren Blütezeit mit der Hallsteinzeit um 1200 v. Chr. begann, hatten schon früh Handelskontakte zu den Etruskern, später den Römern und sogar bis nach Asien. Neben Handelsgütern wurde auch Heilwissen mitgebracht, das sich im Laufe der Zeit mit der einheimischen Heilkunde vermischte. Rückschlüsse auf die Verwendung von Heilpflanzen lassen Analysen von Kesselrückständen in den keltischen Fürstengräbern zu. Bei den Germanen sind es u. a. die Moorleichen, deren Mageninhalte manchmal Aufschluss über die Nutzung von Kräutern geben.

Julius Caesar (100 v. Chr. - 44 v. Chr.) und Cornelius Tacitus (58 n. Chr. - 120 n. Chr.) gehören zu den wichtigsten Autoren schriftlicher Quellen. Ihre Berichte sind aber subjektiv politisch und moralisch gefärbt und entsprechen nicht immer der Wahrheit.
Marcellus Empirius (4./5. Jh.), ein aus Gallien stammender römischer Schriftsteller, hinterließ viele Rezepte aus seiner keltischen Heimat. Seine "De medicamentis" ist die umfangreiche Sammlung antiker und spätantiker Rezepte und anderer Heilmethoden in lateinischer Sprache, die einen unvergleichlichen Einblick in den medizinischen Wissensstand der damaligen Zeit bietet.
Aber auch in unseren alten Sagen und Legenden, wie z.B. der Edda, finden wir Hinweise auf pflanzenheilkundliches Wissen. Die Auswertung von schriftlichen Quellen und archäologischen Funden lässt vermuten, dass sich die Heilkunde unserer keltischen und germanischen Vorfahren auf einem hohen Niveau befand.

Mit der Gründung des Mutterklosters der Benediktiner am Monte Cassino im Jahre 529 n. Chr. begann die Klostermedizin. Diese bewahrte das durch den Zerfall des Weströmischen Reiches, der Völkerwanderungszeit, Krieg, Hungersnot und Seuchen fast verlorengegangene Heilwissen der Antike.
Die höchste Aufgabe der Benediktiner sollte die Versorgung der Kranken sein. Die Mönche studierten die alten heidnischen Schriften, übersetzten sie ins Lateinische, kopierten sie und sorgten damit für ihre Verbreitung - und ihren Erhalt bis in die heutige Zeit.
Die wohl bekannteste Vertreterin der Klostermedizin war Hildegard von Bingen (1098 bis 1179). Sie war Benediktikerin, Dichterin, Beraterin vieler geistiger und weltlicher Persönlichkeiten und eine bedeutende Universalgelehrte ihrer Zeit. Sie befasste sich mit Religion, Musik, Medizin, Ethik und Kosmologie. Als Äbtissin verfasste sie mehrere Schriften, zu denen auch zwei medizinische Werke gehören: "Causae et curae" (Ursachen und Heilungen) und "Physica" (Heilkräfte der Natur). Hildegard von Bingen brachte das damalige antike Wissen über Krankheiten und Pflanzen aus der griechisch-lateinischen Tradition mit dem Wissen der Volksmedizin zusammen und nutze erstmals die volkstümlichen Pflanzennamen.

Bildquelle:
Das Bild ist eine Abbildung aus dem Kräuterbuch "Pseudo-Apuleius Herbarius", das im 4.Jhdt. verfasst wurde.
Das abgebildete Kraut "Millefolium" wird als "Achillea millefolium" - Schafgarbe gedeutet.
(Wikipedia, gemeinfrei)

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Und allen die es nicht wissen, sei es gesagt: Völva bedeutet, 'Sie, die sieht',
aber nicht die Zukunft, wie man allgemein glaubt, sondern die wahre Natur des irdischen Lebens.
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