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Federn in Kopfkissen der Wikinger
Was die Wikinger in ihre Kissen stopften

Warm und weich gebettet – auch die Wikinger wussten vor mehr als tausend Jahren schon gute Kopfkissen zu schätzen. Davon zeugen Funde von Daunenfedern unter anderem in Wikingergräbern. Forscher haben nun erste Einblicke darin gewonnen, mit welchem Material sie ihre Kissen damals stopften. Erste Ergebnisse belegen, dass die Nordmänner nicht nur Federn von Enten und Gänsen nutzen, sondern auch von Wildvögeln wie dem Uhu.

Die Füllung der heutigen Daunenbetten und -kissen ist einfach zuzuordnen: Die Federn stammen meist von eigens dafür gezüchteten Hausgänsen und Enten. Weitaus schwieriger wird es jedoch, wenn die fraglichen Federn bereits mehrere Jahrhunderte oder sogar Jahrtausende alt sind. Die wichtigen Feinmerkmale sind dann oft zu schlecht erhalten, um zu erkennen, von welcher Vogelart die Feder stammt. „In einigen Fällen kommen wir selbst mit dem Mikroskop nicht weiter als bis zur Ebene der Familie“, erklärt Jørgen Rosvold von der Technisch-Naturwissenschaftlichen Universität Norwegens (NTNU) in Trondheim.

kmtrd4eo9k32mn16817ju04r-wpengine.netdna-ssl.com/wp-content/uploads/2018/02/fjr-3-768x614.jpgFederkissen im Wikingergrab

Doch gerade die Frage der Federherkunft ist für Historiker und Archäologen spannend. So belegen Funde von Federn in Wikingergräbern beispielsweise, dass die Nordmänner nicht nur ihre Pfeile mit Federn versahen. Es gibt auch Hinweise darauf, dass sie den Komfort von Federkissen zu schätzen wussten. So haben Archäologen in einem Grab Reste eines Eisenschwerts entdeckt, dessen Rost mehrere Abdrücke von Federn und Daunen konserviert hat. Die Forscher vermuten, dass dieses Schwert möglicherweise einst auf einem Daunenkissen lag.

Aus weiteren Funden ist bekannt, dass die Menschen an der norwegischen Küste schon früh Eiderenten züchteten, um deren Daunen und Federn zu nutzen. Sie bauten den Vögeln dafür eigens geschützte Nestboxen und sammelten dann die von den Jungvögeln dort hinterlassenen Daunen ein. „Diese Beziehung reicht schon weit zurück“, erklärt Rosvold.



Federn vom Uhu

Doch war auch das Federkissen aus dem alten Wikingergrab mit Eiderentenfedern gefüllt? Um das herauszufinden, haben Rosvold und seine Kollegen die Federreste mit modernsten Mitteln analysiert. Wie sie erklären, lässt sich die Herkunft dabei besonders gut an den feinen Komponenten der Federn ablesen, den Hakenstrahlen. Diese mit feinen Häkchen besetzten Ästchen unterscheiden sich je nach Vogelart in der Farbe, Form und Verteilung der Häkchen.

Das Ergebnis der Analysen: Die Wikinger polsterten den Kopf ihres Toten nicht mit einem Kissen aus Entendauen, sondern nutzten Federn verschiedener Vögel dafür. Darunter war auch ein eher unerwarteter Federspender: ein Uhu. „Dies belegt, dass die Wikinger Federn als wichtige Ressource schätzten“, sagt Rosvold. „Gleichzeitig waren sie aber offenbar nicht sonderlich wählerisch: Sie nahmen einfach, was gerade verfügbar war, um ihre Kissen zu füllen.“

Quelle:
Text: wissenschaft.de
Bild: Gemini Search News

.. sich erinnern heißt nicht Asche streuen, sondern das Feuer weitergeben ..

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