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Das Gespräch der beiden Weisen Teil 2
Das Gespräch der beiden Weisen Teil 2


Nede antwortete:
Das gibt es wohl:
Gute Neuigkeiten:
Fruchtbare Meere,
Strände zuhauf,
lächelnde Wälder,
fliegende Holzflügel,
blühende Fruchtbäume,
hochwachsende Kornfelder,
viele Bienenschwärme,
eine strahlende Welt,
einen freundlichen Sommer,
Soldaten mit Sold,
Könige von der Sonne gesegnet,
wundersame Weisheit,
vergangene Schlachten,
alle für ihre Künste;
tapfere Männer,
nähenede Frauen,
mächtige Dornbäume,
volle Schatzkammern,
genügend Mut,
jede Kunst vollkommen,
alle guten Menschen gerecht,
jede Nachricht gut,
und auf immer gut.
Und du Alter, hast du Neuigkeiten?

Fechertne antwortete:
Die habe ich wohl:
Schlechte Neuigkeiten,
böse Zeiten immerdar,
viele Anführer,
aber nur wenig Ehre,
gerechte Urteile sind aufgehoben,
die Welt ist ein Viehwagen,
Menschen sind unmässig,
Helden ziehen fort.
Alle Menschen sind schlecht,
wenig Könige, viele Anwärter,
Menschen entehrt,
und alle voll Makel.
Kutschen zerschmettert auf dem Weg,
Nials Ebenen überrollt,
die Wahrheit garantiert keinen Wohlstand mehr,
und Wächter bewachen die heiligen Stätten.
Die Kunst wird Possenreißerrei,
nur Lügen werden laut.
Durch Stolz und Hochmut,
ist niemand an seinem rechten Platz,
weder Rang noch Ehren,
Würde noch Kunst
wird Gedient.
Alle Fertigkeiten vergehen, Könige werden Arm, Edle verdammt,
und Niedere schwanken,
bis weder Gott noch Mensch wird verehrt.
Prinzen, echte und unechte, vergehen,
wenn die Männer mit den schwarzen Lanzen kommen.
Aller Glaube endet,
Gaben werden gestohlen,
Häuser aufgebrochen,
Zellen untergraben,
Kirchen verbrannt.
Selbst kleine Scheuern werden vernichtet,
Früchte und Blumen welken,
und die anhänger des Königs
werden heimatlos.
Hunde wenden sich gegen Herren,
alle verletzten dreifach,
im Dunklen, durch Groll und Vernachlässigung,
Künstler streiten,
und alle zahlen dem Satieriker,
um eine Satiere zu schreiben,
alle wollen sicher sein,
doch Nachbarn verraten einander:
Bruder gegen Bruder,
und Trinkkumpane bringen einander um,
kennen weder Wahrheit noch Ehre noch Seele.
Nörgler machen alles zunichte,
Ehrgeizlinge machen einander herunter,
mit Stürmen dunkler Flüche.
Ränge splittern, Geistliche werden vergessen,
und Weise verachtet.
Musik langweilt den Menschen,
und aus Helden werden Mönche.
Die Weisheit wird auf den Kopf gestellt,
die Herren bekämpfen die Kirche,
nur Übles, kein Segen in ihrem Gebet.
Und alle Beziehungen sind Treulos.

Bauernsöhne und Schurken
entdecken freien Willen und Stolz,
Geiz, Habsucht und Betrug regieren,
und die Kunst dunkelt.
Schöne Stickereien entstehen von den Händen von Huren und Schampen.
Machen Kleider ohne Farben.

Kein Herr kann gerechte Urteile sprechen,
vor Treulosigkeit und Wut,
sie herrschen in allen,
das weder Knecht noch Magd
ihren Herren dienen,
weder König noch Herren
die Gebete ihres Volks vernehmen,
noch hören die Verwalter
die Schreie ihrer Untergebenen,
Tribute bleiben unbezahlt,
Vassalen der Kirche
zahlen nicht das ihrige,
Frauen gehorchen den Männern nicht,
Söpne und Töchter nicht den Eltern,
Schüler ignorieren ihre Lehrer.

Ein jeder übt sich in der Falschheit
und sucht seine Lehrer zu übertreffen,
so das Studenten über den Lehrern sitzen,
und es herrscht keine Scham,
wenn Könige essen und trinken,
während andere warten,
und Bauern feiern,
wenn die Tür geschlossen,
wenn die Küster ihren Mantel und ihre Ehre
zum Preis einer Mahlzeit veräußern.
So das jeder sich beim essen
vom anderen abwendet,
und Gier jedes Herz erfüllt,
bis der stolzeste seine Ehre
und die Seele für einen Penny verscherbelt.
Bescheidenheit verschwindet,
Manschen werden verdammt,
und Herren vernichtet,
Ränge werden verachtet,
der Sonntag entehrt,
Briefe vergessen,
und die Dichter sterben aus.

Der Glaube schwindet,
Fehlurteile zuhauf,
durch die Emporkömmlinge der letzten Welt;
Früchte werden verbrannt,
von Fremden und Gesochs.
Das Land behaust zu viele Menschen,
Reiche werden ausgedehnt,
aus Wäldern werden Ebenen,
und aus Ebenen Wälder.
Jeder wird zum Sklaven.

Dann kommen schreckliche Krankheiten,
plötzliche ,furchtbare Stürme,
Blitze, unter denen Bäume ächzen,
belaubte Winter,
trübe Sommer,
Herbst ohne Ernte,
Frühling ohne Blumen,
Tote durch Hunger,
und Seuchen im Vieh:
Krätze, Räude, Rotlauf und Wucherungen.

Zuchttiere ohne Gewinn,
Schätze ohne Preis,
Waren ohne Verbraucher,
und keine Helden mehr.
Ernten bleiben aus,
Vorurteile
und wütende Reden,
Tod auf drei Tage und drei Nächte,
für ein Drittel der Menschheit,
ein Drittel aller Seuchen bei Tier, Wald und Meer.
Darauf folgen
sieben Jahre der Plagen:
Blumen welken,
und Tränen in jedem Haus.
Fremde überrollen Erins Ebenen.
Mann bewacht Mann,
und Streit herrscht um Cnamchoill,
gute Menschen sterben.
Töchter schlafen mit den Vätern,
und an heiligen Orten wird gekämpft.
Ödnis sucht Berg und Tal heim,
das Meer bricht seine Grenzen,
und das Land der Verheißung sinkt.
Irland wird verlassen
sieben Jahre lang,
um das Gemetzel zu betrauern.

Dann kommen die Male des Antichrist,
und jeder Stamm gebiert ein Ungeheuer.
Teiche fießen zu Strömen,
und Pferdekot glänzt wie Gold.
Wasser schmeckt wie Wein.
Die Berge wirken wie schöne Acker,
und in den Sümpfen blüht Klee,
Bienen schwärmen im Hochland,
und die Flut weicht erst nach Tagen.

Dann folgen sieben dunkle Jahre.
Die Lichter des Himmels bleiben verborgen,
und das ende der Welt wird zum Gericht.
Es wird das jüngste Gericht, mein Sohn.
Große Neuigkeiten, schlechte Neuigkeiten,
in diesen üblen Zeiten!

Und Fechertne sagte:
Weißt du, jung an Jahren, aber alt an Weisheit,
wer Mächtiger ist als du?

Nede antwotete:
Das ist leicht zu sagen:
Gott ist größer als ich,
und der klügste Prophet.
Ich kenne die Zweige der Dichtkunst
und weiß, das Ferchertne ein großer Dichter und Prophet ist.

Darauf sagte Ferchertne:
Bleib, großer Dichter, weiser Jüngling, Sohn des Adne!
Mögest du zu Ruhm und Ehre gelangen
Im Blick der Menschen und Götter.
Mögest du den Schatz der Dichter wahren,
Und die Waffe es Königs sein,
Und der Ruhm von Emain Macha, Mögest du über allen stehen!

Nede sagte:
Möge dem so sein, mit den gleichen Titeln
zwei Bäume aus einer Wurzel,ohne zu stöhren,
Ein Schatz aus Dichtkunst, ein Ausdruck der Weisheit.
Dies ist der klügste Weg:
Vom Vater zum Sohn, vom Sohn zum Vater.
Ich hatte drei Väter:
Einen Vater an Alter,
Einen fleischlichen Vater,
Einen Vater der Lehre.
Mein fleischlicher Vater vergeht,
Mein Vater der Lehre ist nicht hier,
Du Ferchertne, sei mein Vater vom Alter her!
Dich erkenne ich an-möge dem so sein!


Dieses Werk verdeutlicht die Gelersamkeit und Weisheit der Dichter.
Nede wird als ungewöhnlicher Jüngling gezeigt, dessen inspiriete Aussagen auch von seinen Kritikern als solche erkannt werden. In dem Wettstreit der beiden Männer, die ihr gessammeltes Wissen aufbieten, um ihren Anspruch zu belegen, geht es aber mehr um Freundschaft und Demut. Das Gedicht teilt eine Menge über bardische Mysterien mit. Das Spektrum der Weisheit und die geschickte Wortwahl sind beachtlich. Man stellt fest, das die Dichter einen Andersweltlichen Ursprung für ihre Inspitationen angeben und viele verschiedene Einflüsse und Fertigkeiten aufführen, die für diese Kunst nötig sind.
Das Gedicht ist insgesamt außergewöhnlich in seiner brillanten Anrufung des Mysteriums des Wortschmiedens, wie auch als Zeugnis für die visionären Fähigkeiten der Dichter.

Alle Götter sind ein Gott
und alle Göttinen die eine!
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