Dr. Heinrich Lenk

Einführung in die isländische Sagaliteratur.

 

„Islands Literatur ist der unverwitterte Runenstein, in welchem der nordische Geist in tiefen, ewig lesbaren, unauslöschlichen Zügen die Erinnerung seiner Vorzeit eingegraben hat."

O. F. Koppen, Literar. Einleitung in Die nordische Mythologie. Berlin 1887.

 

Einige Bemerkungen über die Sprache, in welcher uns die Sagaliteratur überliefert wurde, sowie über deren Heimat mögen zunächst gestattet sein.

Diese Sprache heisst die isländische, genauer altisländische, auch altnorwegische oder altnordische (isländisch dönsk tunga oder norroen tunga, norrœnt mál; dänisch det oldnorske oder oldnordiske Sprog, schwedisch det fornskandinaviska språket). Dieselbe gehört zu den germanischen Sprachen und bildet mit der dänischen, norwegischen, schwedischen und färöerischen Sprache die besondere Abtheilung der nordgermanischen oder skandinavischen (auch nordischen) Sprachen, welchen das Hoch- und Niederdeutsche, Holländisch-Vlämische und Englische als südgermanische oder deutsche Sprachen gegenüber stehen; das ausgestorbene Gothische bildete eine dritte, ostgermanische Abtheilung. Skandinavier, Deutsche (Germanen im engeren Sinne des Wortes) und Gothen sind nach den Ergebnissen der Sprachvergleichung die drei Hauptäste des grossen germanischen Völker- und Sprachenstammes, der von Asien her in Europa einwandernd sich wahrscheinlich zuletzt, vielleicht im ersten Jahrhundert n. Chr., auch in den skandinavischen Ländern (Schweden, Norwegen, Dänemark) angesiedelt hat.

Sowie mit allen germanischen überhaupt zeigen die skandinavischen Sprachen sich natürlich besonders untereinander nahe verwandt. Diese Verwandtschaft war in früherer Zeit eine noch weit innigere, als heutzutage. Auf Grund der erhaltenen Sprachdenkmäler sowie anderweitiger ausdrücklicher historischer Zeugnisse müssen wir sogar als gewiss annehmen, dass einst im ganzen skandinavischen Norden nur eine nordgermanische Sprache geherrscht hatte; dieselbe bezeichnet man gewöhnlich als ur- oder gemeinnordische, auch urskandinavische Sprache. Diese sprachliche Einheit mag vom Beginn der Niederlassung der Germanen in Skandinavien bis zum Ende des 8. Jahrhunderts n. Chr. sicher angedauert haben. Von da ab, also etwa seit Anfang des 9. Jahrhunderts, spaltete sich die bisher einheitliche urskandinavische oder urnordische Sprache in zwei Hauptformen: Das Westnordische (Westskandinavische) oder Altnorwegische und das Ostnordische (Ostskandinavische) oder Alt-Dänisch-Schwedische. Aus letzterem entwickelten sich im Laufe des Mittelalters die neuere (gegenwärtige) dänische und schwedische Sprache; das Altnorwegische hingegen wurde infolge der späteren Vereinigung Norwegens mit Dänemark (seit 1380, bis 1814) allmählich von dem Dänischen verdrängt (welches seither bis heute die Sprache der gebildeten Classe Norwegens geblieben ist) und hat sich nur im Munde des Landvolkes, vielfach abgeschwächt und in zahlreiche Dialekte gespalten (als sogenanntes ,,Lands-maal, d. h. Landessprache) bis jetzt erhalten. Doch fand die altnorwegische Sprache fern von dem Mutterlande eine neue Heimat, und zwar auf Island, woselbst sie ihre höchste Ausbildung erreichte, weshalb denn auch mit Recht die Bezeichnung „isländische Sprache'' (islenzk tunga) später (seit dem 16. Jahrhundert) für dieselbe aufkam. Damit sind wir zur Stätte der isländischen Sagaliteratur gelangt.

Island, die Jahrtausende öde gelegene Insel im Norden Europas (von deren geographischer Beschaflfenheit noch weiter unten die Rede sein wird) wurde in der zweiten Hälfte des 9. Jahrhunderts n. Chr., zwischen den Jahren 860 bis 870 von norwegischen Seefahrern (Wikingern) entdeckt. Zwar sollen schon gegen Ende des 8. Jahrhunderts n. Chr. Männer keltischer Abkunft auf der fernen Insel sich vorübergehend angesiedelt haben, jedoch beginnt erst mit der norwegischen Entdeckung die eigentliche Geschichte des Landes. Naddoðr wird als der erste Norweger genannt, welcher Island betrat und der Insel, durch einen starken Schneefall veranlasst, den Namen Snæland, d. i. Schneeland gab, ungefähr um 860 n. Chr. Ein anderer Norweger, Flóki Vilgerðarson, gab der Insel von dem vielen Treibeise, mit welchem er einen Meerbusen derselben angefüllt fand, den Namen, welchen dieselbe bis zum heutigen Tage trägt, nämlich Ísland, d. h. Eisland. Wieder ein Norweger, Ingófr Arnason, ein angesehener Mann war es, der im Jahre 874 die erste bleibende Ansiedlung auf Island gründete und zwar merkwürdiger Weise gerade an derselben Stelle, an welcher die jetzige Hauptstadt des Landes, ReykjavikD. h. Rauchbucht, so genannt wegen der in ihrer Nähe rauchenden oder dampfenden Quellen., sich befindet. Seither wurde die Insel in den Jahren 874 bis 934 durch massenhafte Einwanderung von Norwegen her bevölkert. Die isländischen Quellen bezeichnen diese Ansiedlungen als Landnahme (isländisch landn&aachute;m) und die ganze Periode derselben als „Landnahmezeit" (landnámatið). Veranlassung hiezu war das Auftreten des Königes Haraldr des Haarschönen (Haraldr hinn hárfagri, regierte 860 bis 933 n. Chr.) in Norwegen. Dieser machte in siegreichen Kämpfen der Herrschaft der zahlreichen Gau- und Volklandskönige (héraðskonungar, fylkiskonungar), in welche Norwegen bis dahin getheilt war, ein Ende und schwang sich zum ersten ÄlIeinheinherrscher dieses Landes empor. Die damit unzufriedenen Häuptlinge und auch die höheren Schichten der bäuerlichen Bevölkerung Norwegens wanderten nun massenhaft nach dem eben erst entdeckten fernen Eilande aus.

Stolze, thatkräftige Naturen — die Blüthe Norwegens — waren es, die sich hier niederliessen, Abkömmlinge der edelsten Geschlechter, verwachsen mit dem Boden, verwandt mit den Göttern. Sie brachten die ganze Bildung, den ganzen Schatz des skandinavischen Volksstammes — denn es gab schon Bildung und Literatur — mit herüber, und abgeschieden, getrennt von dem Lande, nach dem sie mit Sehnsucht hinüber blickten, hegten und pflegten sie sorgsam diese Erinnerungen, dieses schönste Erbtheil, das ihnen vom Vaterlande zugefallen.

Sie gründeten auf Island einen Freistaat, der in der ganzen Geschichte in seiner Art einzig erscheint und bis zum Jahre 1263 bestand. In diesem Jahre wurde Island von Norwegen unterworfen und kam mit demselben im Jahre 1380 an Dänemark, bei welchem Staate die Insel auch nach Abtrennung Norwegens im Jahre 1814 bis heute verblieben ist.

So kam die altnorwegische Sprache mit den Ansiedlern nach Island und auch nach den Faröern (oder Färöern, d. h. Schafinseln, isländisch Fær eyjar, dänisch Faarøer); denn auch dorthin zogen die norwegischen Unzufriedenen. Während aber die alte Sprache sich auf dieser Inselgruppe unter dem späteren Einflüsse des Dänischen (die Inseln kamen ebenfalls im Jahre 1380 an Dänemark) zu einem etwas abweichenden Dialekte entwickelte, hat sie sich auf Island seit mehr als 1000 Jahren fast unverändert bis auf den heutigen Tag erhalten: die Sprache der Edda, der nordischen Bibel ist in allem Wesentlichen noch gegenwärtig die Sprache Islands. Island ist mithin auf merkwürdige Weise das einzige europäische Land, welches seine erste oder Ursprache bis heutzutage erhalten hat. Dass sich die Sprache auf Island so erhielt, verdankt sie zunächst der isolierten Lage der Insel; dann aber der höchst merkwürdigen eigenthümlichen und reichhaltigen Literatur, welche uns in der isländischen respective altnorwegischen Sprache überliefert wurde; endlich dem gesegneten Umstände, daß die seit dem Jahre 1000 erfolgte Bekehrung Islands zum Christenthume, seinem nationalliterarischen Leben keinen Eintrag that. Island war ein viel zu armes Land, als dass es fremde Geistliche anlocken konnte; seine Priester waren und blieben Eingeborene, die fern von dem zerstörenden Fanatismus ihrer Berufsgenossen in den deutschen Landen hier selbst die alten Überlieferungen zu bewahren halfen, die Landessprache in Ehren hielten, ja durch die im Auslande erlernte Schreibekunst erst recht die Begründer der isländischen Literatur wurden.

Die Isländer hatten nämlich (wie alle Skandinavier und auch die alten Deutschen) ursprünglich eigenthümliche Buchstabenzeichen, die sogenannten Runen (isländisch rúnar oder rúnir, f. pl.), von welchen es zwei Alphabete gab: die älteren, längeren, und die kürzeren, jüngeren; beide wurden bei Inschriften angewendet und entweder in Stein gehauen oder auf Holz und Metall geritzt. Mit der Einführung des Christenthumes wurde diese schwerfällige und unzureichende Schriftart von der lateinischen Buchstabenschrift abgelöst; dieselbe wurde durch Mönche von England herübergebracht und angenommen, jedoch so, dass zwei eigenthümliche Lautzeichen dem isländischen (lateinischen) Alphabete bis heute geblieben sind: die Rune Þ (thorn), entsprechend dem englischen th in „thing" und der Buchstabe ð (ed), mit dem Laute des englischen th in „father'', aus dem Angelsächsischen herstammend. So war nun mit der neuen Schrift ein geeignetes Mittel zum graphischen Ausdrucke der bereits hochentwickelten Sprache gegeben und damit die Hauptbedingung zur Fixierung der Literatur, welche auf Island fast ausschliesslich in der heimischen, nicht — wie im ganzen übrigen Europa zu damaliger Zeit — in der lateinischen Sprache aufgezeichnet wurde. So kam es, dass die gesammte altnordische (altskandinavische) Literatur ihren Hauptsitz auf Island fand und dort ihre höchste Blüthe erreichte; sie ist wesentlich isländische Literatur, da die anderen skandinavischen Länder erst in der neueren Zeit zu einer selbständigen nationalliterarischen Entfaltung gelangten. Daher rührt denn auch mit Becht die Bezeichnung der isländischen Sprache als altnordischeNur in diesem Sinne ist die Bezeichnung altnordisch für isländisch richtig. Lange Zeit war aber die Ansicht herrschend, dass die isländische Sprache die ursprünglich ganz Skandinavien gemeinsame, urnordische oder urskandinavische Sprache darstelle und deshalb altnordische Sprache heissen müsse, während sie doch nur die spätere, westnordische Gestalt jener Ursprache bildet. schlechthin, da uns weitaus die meisten altnordischen Geistesschöpfungen, der grösste Theil der Literatur des skandinavischen Nordens im Mittelalter, in der isländischen Sprache erhalten sind. Die poetische altnordische Literatur umfasst die Edda- und Skaldendichtung; zur prosaischen gehören die Gesetzes- und Sagaschreibung. Nur die letztere und zugleich bedeutendste Schöpfung der isländischen Literatur soll uns hier beschäftigen.

Island ist die Heimat der Saga, dieses eigenartigsten und unvergänglichsten Denkmales seines Geistes, welches in seiner specifisch-isländischen Individualität keinem scheinbar ähnlichen Literatur-Erzeugnisse anderer Culturvölker an die Seite gestellt werden kann. Heinrich Rückert hat treffend bemerkt, dass die altnordische Poesie uns fremdartig gegenüber stehe, da sie ein in ihrer Eigenheit abgeschlossenes Gebiet darstelle; die isländische Prosa, die Sagaschreibung hingegen dürfe unsere höchste Theilnahme beanspruchen, da sie durch äussere und innere Fülle, durch das frische Leben und ihre plastische Darstellung alle gleichzeitigen mittelalterlichen Geschichtschreiber übertreffe; sie ist nach seinen Worten ein Phänomen ohne gleichen in ihrer Zeit, sowohl was den Gehalt als was die Form betrifft.

Die Isländer nannten jede Erzählung schlechthin Saga; nicht blos die mythisch-poetische, sondern auch die factisch historische. Saga heisst daher jedes prosaisch erzählende Buch, jedes allgemein historische Werk, jede dürre chronikalische Aufzeichnung, jede Orts- und Familien-Geschichte, jede Lebensbeschreibung eines Skalden, Häuptlings, Priesters u. s. w., ebensowohl als die mythische Geschichte der Volsungen, Ynglinger u. a. Islands ganze historische Literatur im weiteren Sinne ist mithin nur eine einzige fortlaufende und unendliche Saga. — Vergegenwärtigen wir uns nun die Verhältnisse, unter welchen sich auf Island die Sagaschreibung entwickelte oder vielmehr entwickeln musste.

Zunächst war es die geographische Lage der Insel, welche wesentlich dazu beitrug, ihre Bewohner zu einem erzählenden Volke zu machen. Durch das weite Weltmeer von aller thätigen Theilnahme von den Weltbegebenheiten abgeschlossen, ohne Streitigkeiten mit den Nachbarstaaten und ohne Gefahr von einem auswärtigen Angriffe waren die isländischen Ansiedler ganz und gar sich selbst ihren Erinnerungen und ihren häuslichen, politischen und gesellschaftlichen Verhältnissen überlassen. Ihre Insel bildete gleichsam eine Welt für sich. Begreiflich ist es daher, dass sie einerseits das Andenken an die Thaten der Väter sorgfältig bewahrten, die Sagen der Vorzeit in Ehren hielten, andererseits aber auch die Gegenwart ihre Aufmerksamkeit in vollem Masse in Anspruch nahm. Es war eine natürliche Folge des abgesonderten und einförmigen Lebens auf Island, dass man sich während der Versammlungen zu Gericht, bei den Gelagen und Spielen begierig nach Neuigkeiten erkundigte. Was da in Umlauf kam, wurde festgehalten, theils in Form der Erzählung, theils in der des Liedes; so wurde es an den langen Winterabenden oder wenn sonst Gelegenheit sich darbot, von Geschlecht zu Geschlecht weiter überliefert. Aber nicht blos die Vorfälle auf Island selbst waren Gegenstand des Interesses, sondern auch Nachrichten aus fremden Ländern waren höchst willkommen. Da die Isländer vermöge des allen germanischen Nordbewohnern eigenthümlichen Wandertriebes im 9., 10. und 11. Jahrhundert n. Chr. ausgedehnte und abenteuerliche Fahrten (Wikingszüge) von ihrer Insel aus unternahmen, kamen sie als Handelsleute, Hofmannen, Skalden (Dichter-Sänger), Wikinger (Seeräuber) und Wäringer oder Waräger (Söldner im Dienste des byzantinischen Kaisers) weit in der damals bekannten Welt herum und erzählten nach ihrer Rückkehr ihren eifrig lauschenden Landsleuten alles Gesehene und Erlebte, was ebenfalls dem Gedächtnisse eingeprägt und weiter verbreitet wurde. Vieles, wovon wir sonst nichts wüssten, wurde auf diese Weise der Nachwelt aufbewahrt. Diese mündlich fortgepflanzten Erzählungen waren die liebste Unterhaltung der Isländer.

Jahrhunderte vergingen, ehe die so mündlich umlaufenden Sagas (denn so heissen sowohl die mündlichen als schriftlichen Ueberlieferungen) endlich schriftlich fixiert wurden. Denn die mündliche Saga, welche mit den Begebenheiten entstand und mündlich fortgepflanzt wurde, kann erst vollendet und abgerundet werden, wenn die Begebenheiten nicht blos abgeschlossen, sondern auch für das Bewusstsein klar und dem parteiischen und einseitigen Urtheil der Gegenwart entrückt waren, also erst in der kommenden Generation. Die eigentlich isländische Sagazeit, d. h. jene Zeit, deren Begebenheiten vorwiegend den Stoff für die geschriebenen isländischen Sagas abgaben^ nämlich die Jahre 874 bis 1030 n. Chr., lässt sich in drei Abschnitte gliedern: Der erste umfasst die Jahre 874 bis 930 (eigentlich 934), d. h. jene Sagas, welche ungefähr mit der „Landnahmezeit" abschliessen; den zweiten Abschnitt bilden die Jahre 930 bis 990, also die Sagas, welche mit dem 10. Jahrhundert endigen; der dritte Abschnitt umfasst die Jahre 990 bis 1030 und gab den Stoff zu den grossartigsten und umfangreichsten Sagas.

Die schriftliche Aufzeichnung der mündlich fortgepflanzten Saga kann also kaum vor Ablauf eines halben Jahrhunderts nach Schluss der oben angegebenen Sagazeit (1030) mit der Behandlung der ältesten Stoffe begonnen haben, also nicht vor 1100. In der That ist auch vor dem 12, Jahrhundert keine Saga niedergeschrieben worden. Die Sagaschreibung begann im ersten Viertel des 12. Jahrhunderts mit Ari's Íslendingabók, erreichte ihr goldenes Zeitalter in den Jahren 1220 bis 1260 und fand ihren Äbschluss gegen Ende des 14. Jahrhunderts.

Fast alle Sagas sind uns anonym überliefert und es ist nicht mehr festzustellen, wer ihre Aufzeichner gewesen; doch darf man annehmen, dass es in den meisten Fällen gelehrte, d. h. lateinisch gebildete Männer oder selbst Geistliche von Fach waren. Die Anonymität der meisten Sagas erklärt sich leicht aus dem Umstande, dass ihre Hauptgrundlage die allgemein bekannte mündliche Ueberlieferung war: es konnte dem Sagaschreiber, der eigentlich nur der letzte Erzähler war, nicht einfallen, unter seine dem Stoffe nach allgemein bekannte Aufschreibung seinen Namen zu setzen. Nur diejenigen Sagas, welche Geschichtswerke in unserem Sinne des Wortes sind, tragen in der Regel den Namen ihres Verfassers, da in diesem Falle nicht blos die mündlichen Überlieferungen schlechthin niedergeschrieben, sondern mündliche und schriftliche Quellen mit kritischem Sinne zusammengetragen wurden; doch sind dieser Sagas nur sehr wenige. — Wie aus allem Gesagten hervorgeht, entspricht das isländische Wort saga (Mehrzahl sögur) keineswegs dem deutschen Ausdrucke Sage. Während diese von vorneherein keinen Anspruch auf Glaubwürdigkeit des Mitgetheilten erhebt, bezeichnet die isländische Saga eine Erzählung schlechthin, ohne Rücksicht darauf, ob deren Inhalt ein historisch bezeugter, ein mythischer oder ein romantischer sei. Demgemäss unterscheiden wir die isländischen Sagas nach dem Inhalte in historische, mythische und romantische Sagas.

Die historischen Sagas sind der Aufzeichnung nach die ältesten; sie behandeln entweder nur die Geschichte Islands oder auch die der übrigen skandinavischen Länder, besonders Dänemarks und Norwegens, wogegen von Schweden nur gelegentlich die Rede ist; daher die weitere Eintheilung derselben in Íslendinga sögur (Geschichten der Isländer) und Fornmanna sögur (Geschichten der nordischen Vorfahren).

Die ersteren, die eigentlich isländischen Sagas, zerfallen dann wieder in solche, welche die Geschichte der ganzen InselDieser sind nur wenige. Zunächst das lsländerbuch des Priesters Ari des Weisen (Íslandingabók Ára prests fróda), mit welchem die isländische Sagaschreibung um 1120 bis 1130 beginnt.
Dann das Landnahmebuch (die Landnámabók oder blos Landnáma).
Ferner die Kristnisaga, die Geschichte der Bekehrung Islands zum Christenthume, die Jahre 980 bis 1120 behandelnd, ebenfalls von dem weisen Ari verfasst.
Endlich die Sturlungasaga, auch Íslendinga saga hin míkla, d.h. die grosse Isländersaga, die grösste aller isländischen Sagas, das umfangreichste Werk der gesammten altisländischen Literatur, aus dem 14. Jahrhundert stammend; sie behandelt die Geschichte des isländischen Freistaates in den Jahren 1120 bis 1284, und hat ihren Namen von dem Geschlechte der Sturlunge, das in dieser Periode das hervorragendste auf Island war; der Verfasser ist Sturla Þórdarson.
Die Geschichte der von Island aus besiedelten Orkney-Inseln (Orkneyingasaga) und der Färöer (Færeyinga saga) werden gewöhnlich auch hieher gerechnet.
behandeln; dann in jene, welche die Erlebnisse eines besonderen Geschlechtes, oder auch eines einzelnen Häuptlings, Skalden, Priesters — aber stets in Beziehung zu seinem Geschlechte — darstellen (daher Geschlechtssagas); endlich in Einzelbiographien hervorragender geistlicher und weltlicher Männer (Biskupa sögur u. a.).

Die Fornmanna sögur sind Geschichtswerke in unserem Sinne des Wortes und erzählen vorzugsweise die ältere Geschichte Norwegens, besonders ausführlich die der Könige &Oakute;lafr I. Tryggvason's (995 bis 1000) und &Oakute;lafr II. des Heiligen (1016 bis 1030). Die Krone derselben und der isländischen Geschichtschreibung überhaupt sind Snorri Sturluson's (erschlagen 1241) Noregs konunga sögur, d. h. Geschichten der Könige Norwegens, gewöhnlich nach den Anfangsworten einer der Handschriften (kringla heimsins, d. h. der Erdkreis) Heimskringlaln der Vorrede der Heimskringla findet sich jene wichtige Stelle, wodurch der Priester Ari mit dem Beinamen „der Weise" (Ari hinn fródi) als Vater der isländischen Sagaschreibung bezeichnet wird: Priester Ari der Weise Thorgilsson schrieb zuerst unter den Menschen hier zu Lande (auf Island) in norränischer (d. h. altnorwegischer) Rede Wissenschaft, beides alte und neue — Auch soll Ari der erste gewesen sein, welcher die lateinische Buchstabenschrift an Stelle der Runen in Anwendung brachte. genannt; sie behandelt die Geschichte Norwegens bis zum Jahre 1177.

Die mythisch-heroischen Sagas sind „nichts anders als die prosaisch gehaltene Tradition, welche direct aus der Auflösung heidnischer Volkslieder hervorging"; sie behandeln auf Grund alter Lieder die einheimischen (skandinavischen) Mythen- und Sagenstoffe. Man sollte daher glauben, dass sie aus dem ersten Zeiträume der isländischen Sagaschreibung stammen; dem ist aber nicht so. Wenn auch dem Stoffe nach die ältesten, sind sie doch in der Aufzeichnung, in welcher wir sie besitzen, weit jünger als die historischen Sagas und meist im 13. und 14. Jahrhundert niedergeschrieben; doch lässt sich bei den meisten eine ältere, für uns verloren gegangene Bearbeitung mit Grund voraussetzen, ja bei einigen nachweisen. Diese Sagas liefen zuletzt in die Volksmärchea aus, welche noch heutzutage im Munde des isländischen Volkes leben.

Die romantischen Sagas sind Uebersetzungen oder Bearbeitungen der im ganzen Mittelalter beliebten bretonischen, französischen und deutschen Ritterromane, die infolge Berührung Islands mit den südlichen Ländern — eine Wirkung der Einführung des Christenthumes — seit dem 13. Jahrhundert auch auf der fernen Insel Eingang fanden (Riddara sögur). Was in Deutschland, Frankreich, England, Spanien und Belgien von Carl dem Grossen, Artus und der Tafelrunde, vom heiligen Gral u. s. w. gesungen oder geschrieben ward, das haben auch die Isländer gesammelt, übersetzt oder nacherzählt. Die Uebersetzer, respective Bearbeiter waren meist Geistliche, die des Studiums wegen in südliche Länder zogen und deren Sprachen erlernten; mehrere dieser Uebersetzungen oder Bearbeitungen wurden auch nicht auf Island, sondern in Norwegen abgefasst und zwar im Auftrage norwegischer Könige oder Häuptlinge. — Auch die Bearbeitungen biblischer Stoffe sowie aus der alten Geschichte gehören hieher. Zuletzt — im 14. Jahrhundert — kam noch die Heiligenlegende (Heilagra manna sögur, Postola sögur).

Alle isländischen Sagas, mit Ausnahme der zuletzt angeführten Verflachungen, weisen in ihrer ganzen Darstellungsart mehr oder weniger gewisse typische Merkmale auf, welche für ihre Individualität charakteristisch sind und von denen etwa folgende als die bezeichnendsten hervorgehoben werden können: Vermeidung jeder nicht zur Sache gehörigen Einleitung, so dass wir so schnell als möglich in medias res geführt werden; ergreifende Einfachheit, Prägnanz, Frische und Unmittelbarkeit der Darstellung, obschon meist Begebenheiten einer entfernten Vergangenheit erzählt werden; beinahe gänzliches Zurücktreten des mit wenigen Ausnahmen unbekannten Sagaschreibers, welcher den von ihm geschilderten Ereignissen und Persönlichkeiten in leidenschaftsloser Ruhe gegenüber stehend erscheint; gründliche Auseinandersetzung der genealogischen und chronologischen Verhältnisse (erstere wirken oft hemmend auf den Fluss der Erzählung) nebst Anführung von Gewährsmännern zur Beglaubigung des Mitgetheilten; häufige Gesprächsscenen mit ausführlichen Dialogen der handelnden Personen, fast immer im historischen Präsens, wodurch die epische Darstellung einen wohlthuenden Uebergang zur dramatischen erhält; endlich gewisse stereotype Ausdrucksweisen, besonders am Anfange, Schlüsse und bei Uebergängen in der Erzählung, die uns umsomehr auffallen müssen, als die isländische Sprache über einen ganz ausserordentlichen Wortreichthum zu verfügen hat. Noch verdient auch bemerkt zu werden, dass die meisten Sagas zur Bekräftigung des Inhaltes Skaldenverse enthalten; entweder wird, wenn man von einer Person der Saga erzählt, dass sie bei einer gewissen Gelegenheit ein Gedicht gemacht, dieses in der Regel vollständig mitgetheilt, oder es werden auch manchmal solche Verse eingelegt, welche nicht von Personen der Saga verfasst sind, aber auf dieselben oder Begebenheiten der Saga gedichtet wurdenNicht unerwähnt darf bleiben, dass die neuere Forschung die typische Gestalt der isländischen Sage zum Theile durch irisch-keltischen Einfluss erklärt..

Die Handschriften, in welchen uns die Sagas — und auch die übrige altisländische Literatur — überliefert wurde, sind ausschliesslich auf Island oder (zum geringen Theil) in Norwegen geschrieben und theils Pergament-, theils Papierhandschriften. Die ersteren gehören dem 12. bis 16. Jahrhundert an, die Papierhandschriften reichen vom 15. Jahrhundert bis auf unsere Tage herab. Die Schrift ist durchgehends die lateinische und stimmt im allgemeinen mit dem Charakter der lateinischen Schrift des ausgehenden Mittelalters überein. Die grössten Sammlungen altisländischer Handschriften befinden sich in den öffentlichen Bibliotheken zu Kopenhagen (daselbst die grossartige Arnamagnaeanische Sammlung, nach ihrem Gründer, dem Isländer Ámi Magnússen, † 1730, so genannt), Stockholm, Upsala und Christiania. Das meiste derselben ist bereits — theilweise wiederholt — durch den Druck veröffentlicht worden.

Nach diesen ganz allgemeinen Bemerkungen über die isländischen Sagas versuchen wir noch eine bündige Charakteristik derjenigen interessantesten, wichtigsten und zahlreichsten Gattung zu geben, nämlich der oben genannten Geschlechtssagas (isländisch „Ættasögur", dänisch Slægtssagaer''). Der grösste Kenner aller Sagas, der Däne Peter Erasmus Müller, bezeichnet die isländischen Geschlechtssagas mit Recht als die einzigen rein historischen Denkmäler eines heroischen Zeitalters, welche uns die Weltgeschichte erhalten hat.

Das Wesentliche dieser Geschlechtssagas, was sie von der historischen Literatur anderer Völker von vorneherein unterscheidet, besteht darin, dass sie nicht Geschichte in grossen Zügen vorführen, sondern in detaillirter, theilweise poetisch ausgeschmückter Darstellung die Geschicke der seit des norwegischen Königs Haraldr des Haarschönen Alleinherrschaft nach Island ausgewanderten vornehmen skandinavischen, meist norwegischen Geschlechter erzählen; und zwar von der ersten Besiedlung der Insel im Jahre 874 bis gegen die Mitte des 11. Jahrhunderts (1030), welche Periode wir als eigentlich isländische Sagazeit bezeichnet haben. Selten wird bei diesen Erzählungen der Schauplatz eingehender geschildert und gar nie der Wichtigkeit einer Begebenheit in politischer Beziehung gedacht; sondern die handelnden Personen sind für die Saga das Wichtigste: deren Charaktere; Gesichtszüge, Waffen, Gewänder u. dergl. werden genau beschrieben. Dann der Kreis der Begebenheiten, in welchem die Helden sich bewegen; derselbe wird lebhaft anschaulich, bis zu den kleinsten Einzelheiten geschildert. Die Menge der Attribute, welche von einer Person der Saga aufgeführt wurden, richtet sich nach der Stellung, welche dieselbe in der Saga einnimmt. Die Hauptpersonen, die Helden der Saga, treten vor allen hervor; von den übrigen erhalten wir nur eine ungefähre Vorstellung. Aber auch bei den Helden der Erzählung werden nicht gleichmässig alle körperlichen und geistigen Eigenschaften aufgezählt: nur das Charakteristische wird betont. So werden schöne Menschen nicht näher beschrieben, wohl aber Abweichungen von dem Regelmässigen hervorgehoben, dasjenige, was beim ersten Anblicke am meisten auffällt.

Der Ton der Sagas ist meist ruhig, ernst, erhaben und würdig; die Erzählung schreitet rasch vorwärts, alles Nebensächliche und Selbstverständliche überspringend. Im Vordergrunde der Darstellung stehen Reibereien mit Feinden und Processstreitigkeiten auf den Thingen (Volksversammlungen). Die selbstbewussten, empfindlichen, reizbaren und rachesüchtigen Naturen, die uns in diesen Sagas entgegen treten, fanden bei der Abgelegenheit ihres Landes keine Ableitung ihrer Leidenschaften nach aussen hin; so mussten sie die Waffen wider einander kehren. Daher kommt es, dass die Sagaschreiber die Kämpfe mit den Waffen oder bei Gericht mit besonderer Vorliebe behandelten und hiebei ihre literarische Kunst am meisten entfalteten. Die übrigen Arbeiten im Hause, auf der Wiese, im Felde und Busche u. s. w. werden nur beiläufig erwähnt, ebenso die wichtigeren Ereignisse der Geschichte des isländischen Freistaates. Gegen Ende der Saga nimmt die Kürze der Darstellung auffallend zu, so dass es beinahe den Eindruck macht, als ob der Verfasser bereits des Schreibens müde geworden wäre. Den Abschluss bilden gewöhnlich genealogische Aufzählungen, Angaben über die Nachkommenschaft einer hervorragenden Person und ihre Verbindung mit anderen Geschlechtern.

Es erhellt aus allem Mitgetheilten, dass die isländischen Geschlechtssagas durch die wertvollen Beiträge, welche sie uns für die altnordische Geschichte, besonders Islands und Norwegens liefern, von hoher Wichtigkeit sind; allein das hauptsächlichste Interesse, das sie uns darbieten, ist doch mehr allgemein culturgeschichtlicher und ästhetischer Art. In klaren, dramatisch anschaulichen Zügen führen sie uns eine Menge farbenreicher Bilder von Leben und Sitten, von eigenthümlichen, grossartig angelegten Menschennaturen vor, welche oft mit überraschend feinem psychischem Gefühle und mit dem sichersten Sinn für das Charakteristische geschildert werden. Es ist hier oft schwer zu bestimmen, wo die Grenze zwischen Geschichte und Dichtung liegt; denn wenn es auch über jeden Zweifel erhaben ist, dass allen diesen Schilderungen wirkliche Begebenheiten zu Grunde liegen und zwar nicht blos im grossen Ganzen, sondern auch bei dem überwiegenden Theile der Einzelheiten, so ist es doch unverkennbar, dass auch die Poesie ihren Antheil daran hat. In der Hauptsache sind diese Sagas wahrheitsgetreu und zuverlässig, in Einzelheiten aber zeigen sie — die einen mehr, die andern weniger — eine Vereinigung der Geschichte mit episch-dramatischer Dichtkunst und der grosse dänische Literarhistoriker Niels Mathias Petersen hat sie darum nicht mit Unrecht mit Goethe's Wahrheit und Dichtung verglichen. Jedenfalls beziehen sich die Abweichungen von der Wirklichkeit, welche sich die Sagaschreiber erlauben, weniger auf die geschilderten Begebenheiten und Personen, als vielmehr auf das Verhältnis des Verfassers oder Lesers zu denselben. Die Saga gibt uns vollständigere und deutlichere Bilder des Menschenlebens, als es die Wirklichkeit zu geben vermag.

Wir können keines Menschen Schicksal vom Anfang bis zum Ende mit unseren Sinnen begleiten, möchten es aber wohl, wenn die Persönlichkeit oder Beschaffenheit seines Lebens — von dem wir Bruchstücke gesehen, uns interessieren. Die Saga verschafft den Anschein einer solchen über die Wirklichkeit hinausgehenden Erfahrung bis zu einem gewissen Grade.

Mit dem Uebergange Islands an Norwegen im Jahre 1263 und mit der Einführung des neuen Gesetzbuches, der Jónsbók (1280) — welche mit späteren Ergänzungen theilweise noch heute in Kraft ist — hatte gegen Schluss des 13. Jahrhunderts die Selbstregierung der Isländer ein Ende gefunden. Die Folge davon war, dass die Theilnahme an den öffentlichen Angelegenheiten und der Gemeinsinn schwanden, die Gesänge der Skalden verstummten und die Sagaschreibung, ihrer einheimischen Quellen beraubt, sich von da an fremden Stoffen zuwandte. Mit dem 15. Jahrhundert trat ein beinahe völliger Stillstand im geistigen Leben der Isländer ein. An die Stelle neuen Schaffens trat Abschreiben und Bearbeiten des Alten, man träumte sich am liebsten in die bessere Vergangenheit zurück, als deren unvergängliche Denkmäler die alten Sagas geblieben waren; fortwährend wurden dieselben gelesen und abgeschrieben, und so erklärt es sich, dass die alte isländische Sprache in ihren Formen erstarrte und ohne inneres Leben auch keine äussere Entwicklung erfuhr. Erst mit der Reformation und der Einführung der Buchdruckerkunst auf der Insel im 16. Jahrhundert begann ein neues Leben auf Island; die Reformation brachte neue Stoffe und neue Kraft und mit ihr beginnt die Epoche der neuisländigchen Sprache und Literatur, die natürlich hier nicht weiter angedeutet werden kann. Nur eines Productes derselben soll hier noch gedacht werdcL'. einer merkwürdigen Erscheinung, die vir schon sei' uem 15. Jahrhundert (und bis herab in das 18. Jahrhundert) beobachten können: dass nämlich eine grosse Zahl neuisländischer Dichter eine Art Repetition mit der Sagaliteratur vornahm, indem sie sowohl einheimische Geschlechts- als auch romantische Sagas in Verse, sogenannte Rimas (isländisch rímur) umsetzten. Diese Rimas wurden nach bestimmten Mustern abgefasst: sie begannen mit einem einleitenden Gesänge als allgemeinen Ausdruck von Liebesgefühlen, und daran schloss sich die strophische Wiedergabe des alten Sagastoffes in einer Reihe von Gesängen, deren jeder sein besonderes Versmass hatte. Die Strophen waren meist vierzeilig und durch Buchstaben- sowie Endreime miteinander verbunden; ihr Stil zeigte grosse Schwerfälligkeit und eine Fülle von bildlichen Umschreibungen, die entweder der alten Skaldenpoesie geradezu entnommen oder ihr doch nachgebildet waren. Nur ein kleiner Theil dieser Rimas erschien im Drucke; die meisten cursierten nur handschriftlich und wurden seltener für sich allein, sondern vorwiegend in Begleitung einer einförmigen Melodie — auch zum Tanze — vorgetragen, woran die Isländer bis in die neueste Zeit herab grossen Gefallen fanden.

Dessen ungeachtet sind aber die alten Sagas bis auf den heutigen Tag die liebste Lektüre der Isländer geblieben. Jahr für Jahr lauschen die Isländer an den langen Winterabenden der Stimmen ihrer ruhmvollen Vergangenheit, die ihnen aus den laut gelesenen Sagas in ungeschwächter Kraft und Fülle entgegen tönen; niemals werden sie dieser Erinnerungen müde, obschon sie häufig mit ihrem Inhalte derartig vertraut sind; dass sie die kleinsten Einzelheiten und die oft höchst verwickelten genealogischen Verhältnisse der wichtigsten Sagas auswendig wissen. Arme Leute, die sonst keinen Unterhalt finden, verschaffen sich denselben als herumziehende Vorleser der alten Sagas. Das erste Buch, welches den isländischen Knaben zum Lesen gegeben wird, ist eine alte Saga, z. B. die Volsunga, Hervarar und Friðthjás Saga, wodurch der nationale Sinn des Isländers von Jugend auf geweckt und gefördert wird wie kaum in irgend einem zweiten Lande. Die Sagas werden auch gewiss für alle Zeiten das herrlichste, unvergänglichste Denkmal des isländischen Volksgeistes bleiben, wie dies niemand schöner und tiefsinniger als C. F. Koppen in der von uns als Motto ausgehobenen Stelle seines classischen Buches ausgedrückt hat.

 

Quelle:
Text:
Dr. Heinrich Lenk: Die Saga von Hrafnkell Freysgoði. - Sagan af Hrafnkeli Freysgoða (1883).

 

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