Josef Calasanz Poestion

Die Saga von Fridthjof dem Starken.
(Friðþjófs saga hins frœkna)

5. Theil

 

Neuntes Kapitel

Die Brandstätte und das Disenopfer

 

Im Frühjahre darauf verliess Fridthjof die Orkneyen und er und Angantyr schieden in Liebe von einander. Hallward fuhr mit Fridthjof. Als sie nach Norwegen kamen, erfuhren sie, dass sein Gut niedergebrannt worden wäre. Und als er nach Framnäs kam, sagte Fridthjof: „Die Heimatsgebäude sind schwarz geworden und keine Freunde haben hier gehaust.“ — Und er sang die Weise:

„Wir tranken zu Framnäs

Früher zusammen,

Starke Männer

Mit meinem Vater.

Niedergebrannt

Seh' nun ich das Gut.

Ich habe dem Edeling

Uebles zu lohnen.“

Da berathschlagte er sich mit seinen Leuten, was er nun beginnen solle. Sie hiessen ihn aber vorsichtig zu sein. Er sagte, er wolle zuerst den Tribut abliefern. Hierauf ruderten sie über den Meerbusen und nach Syrstrand. Da erfragen sie, dass die Könige in Baldershagen wären beim Disenopfer.

Da hinauf nun gingen sie, Björn und Fridthjof, und dieser trug dem Hallward und Asmund auf, unterdessen alle Schiffe, grosse und kleine, welche dort in der Nähe waren, zu beschädigen. Und dies thaten sie auch.

Hierauf gingen sie hin zum Thore von Baldershagen. Fridthjof wollte hineingehen. Björn bat ihn, mit Vorsicht zu verfahren; Fridthjof aber wollte allein hineingehen und gebot ihm, draussen zu bleiben und inzwischen Wacht zu halten; und er sang die Weise:

„Allein will ich gehen

Hinein in das Gut,

Mit kleiner Hilfe

Die Könige find ich.

Stecket in Brand

Der Brüder Gehöft,

Komm ich bis zum Abend

Zu Euch nicht zurück.“

Björn sagte: „Es ist wohlgesprochen.“

Hierauf ging Fridthjof hinein und sah, dass wenig Volk im Disensaale war. Die Könige waren beim Disenopfer und sassen beim Trinken. Auf dem Estrich war ein Feuer und die Weiber derselben sassen beim Feuer und wärmten die Götter, aber einige salbten und trockneten mit Tüchern.

Fridthjof ging vor König Helge und sprach: „Nun wirst Du den Tribut haben wollen.“ Er schwang den Beutel, worin das Silber war, in die Höhe, und warf ihn dem König an die Nase, so, dass ihm zwei Zähne heraussprangen; der König aber fiel vom HochsitzeDer Hochsitz, auf welchem der Hausvater, der König mit der Königin sass und zechte, war um mehrere Stufen über den Estrich erhaben, und galt natürlich als Ehrenplatz. Auf dem Estrich brannte in den einfachsten Zeiten in der Regel ein Feuer. und in Ohnmacht. Da griff Halfdan nach ihm, dass er nicht in's Feuer fiel. Fridthjof aber sang die Weise:

„Nimm hin mit dem Tribute,

Du Herr der Edlen, auch

Die Vorderzähne, wenn Du

Nicht fordern willst noch mehr.

Es ist das Silber drinnen

In diesem Beutel da,

Das Björn und ich, wir beide

Nun haben heimgebracht.“

Es waren wenig Leute in dem Saale, denn sie tranken an einem anderen Orte. Als aber Fridthjof auf dem Estrich hinab ging, sah er den guten Ring an der Hand von Helge's Weibe, als sie den Balder am Feuer wärmte. Fridthjof griff nach dem Ringe; aber der Ring war fest an der Hand, und er zog sie hinaus über den Estrich zu der Thüre. Balder aber fiel in's Feuer. Die Frau des Halfdan griff schnell nach ihr; da fiel auch der Gott, den sie gewärmt hatte, in's Feuer. Dieses schlug nun in beide Gotter, sie waren aber vorher gesalbt worden, und von da hinauf in das Dach, so dass das Haus brannte.

Fridthjof bekam den Ring, bevor er hinaus ging. Da fragte Björn, was sich bei seinem Hineingehen zugetragen habe. Fridthjof hielt den Ring in die Höhe und sang die Weise:

„Helge bekam einen Hieb; der Beutel

Flog sausend dem Schuft an die Nase.

Hinsank auf dem Hochsitz

Der Bruder des Halfdan.

Balder zwar ging dort in Brand auf,

Doch bracht* es den Ring mir zurück.

Fluchtig zog ich hierauf

Die gebogenen Füsse vom Feuer»Er zog die gebogenen Füsse vom Feuer« — er ging weg davon.“ —

Es sagten die Leute, Fridthjof habe einen Feuerbrand auf die Dachschindeln geschwungen, so dass der ganze Saal brannte. Und er sang die Weise:

„Streben zum Strande wir-hin,

Grosses wir später berathen.

Aufschlägt schon dröhnend die Flamme

Drinnen in Baldershagen.“

Hierauf gingen sie zur See.

 

Zehntes Kapitel

Die Aechtung

 

Als König Helge sich erholte, befahl er schnell dem Fridthjof nachzusetzen und ihn und alle seine Gefährten zu erschlagen: „Der Mann hat sichs verwirkt, da er den Friedeort nicht schonte.“

Es wurde da die Gefolgschaft zusammengeblasen. Und als sie aus dem Saale kamen sahen sie, dass er brannte. König Halfdan begab sich mit einiger Mannschaft dahin, aber König Helge zog Fridthjof und dessen Leuten nach. Diese waren zu den Schiffen gekommen und liessen dahin schweifen. Da fand König Helge und seine Mannschaft, dass alle ihre Schiffe beschädigt waren, und sie mussten wieder landen, und es kamen Einige um. Da wurde König Helge so erzürnt, dass er vor Wuth aufschwoll. Er spannte seinen Bogen und legte einen Pfeil auf die Sehne, und wollte mit solcher Kraft auf Fridthjof schiessen, dass beide Bogenhälse auseinander sprangen. Als aber Fridthjof dies sah, setzte er sich an zwei Ruder auf Ellide und senkte sie so fest ein, dass beide brachen; und er sang die Weise:

„Ich küsste die junge

Ingebjörg,

Bele's Tochter

In Baldershagen.

So mögen denn auch

Auf Ellide brechen

Die beiden Ruder

Wie der Bogen Helge's.“

Hierauf erhob sich ein Wind vom Lande her über den Meerbusen; sie wanden nun die Segel auf und segelten, und Fridthjof sagte ihnen, sie sollen sich so anschicken, dass sie sich dort nicht allzu lange aufzuhalten brauchten. Hierauf segelten sie Sogn entlang. Da sang Fridthjof die Weise:

„Wie so auch aus Sogn

Wir segelten neulich,

Schlug Feuer aus unserem

Erbgut empor.

Nun hebt aber Brand an

In Baldershagen.

Und Wolf nach der Weise,»vargr í véum«,
wörtl. »Wolf im Heiligthum«, der, der die Tempelheiligkeit verletzt hat.

Ich weiss, werd' ich heissen.“

Björn sprach zu Fridthjof: „Was sollen wir nun beginnen, Bruder?“ — „Ich werde nicht hierbleiben in Norwegen, ich will die Weise der Kriegsmänner kennen lernen und auf Wiking ausziehen.“ ,sagt Fridthjof.

Hierauf durchsuchten sie die Inseln und Scheren den Sommer hindurch und erwarben sich auf diese Weise Geld und Ruhm. Im Herbste aber fuhren sie nach den Orkneyen, und Angantyr nahm sie freundlich auf, und sie hielten sich dort den ganzen Winter über auf.

Wie aber Fridthjof aus Norwegen fortgezogen war, hielten die Könige ThingGerichtliche Zusammenkunft, Gericht auf Island auch für Althing (freie Volksversammlung, allgemeine Landesversammlung) gebraucht. Der Name hat sich bei den Dänen und Norwegern, deren Reichstage »Folkethinget« und »Storthinget« heissen, bis auf den heutigen Tag erhalten. und verwiesen Fridthjof aus allen ihren Landen und nahmen ihm all sein Eigenthum. Halfdan liess sich auf Framnäs nieder und baute das Gehöft, soweit es niedergebrannt war, wieder auf, und ebenso besserten sie das ganze Baldershagen auf. Es hatte lange gedauert bis das Feuer gelöscht wurde.

Das war für König Helge das Schlimmste, dass die Götter verbrannt waren; es verursachte grosse Kosten bis Baldershagen wieder ebenso aufgebaut war, wie es früher war. Helge hatte nun seinen Sitz in Syrstrand.

 

Quelle:
Josef Calasanz Poestion: Die Saga von Fridthjof dem Starken - Friðþjófs saga hins frœkna (1879).

 

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