Josef Calasanz Poestion

Die Saga von Fridthjof dem Starken.
(Friðþjófs saga hins frœkna)

8. Theil

 

Vierzehntes Kapitel

Der Abschied

 

Es war an einem Morgen in aller Frühe, dass ein Schlag an die Thür der Halle gethan wurde, worin der König schlief und die Königin und viele andere MännerEs war eine alte, auch im Norden und wie wir sehen bei den Vornehmen herrschende Sitte, dass die ganze Hausgenossenschaft in 'demselben Räume zusammen schlief, ohne Unterschied des Geschlechtes und des Dienstverhältnisses. Gegen Ungehörigkeiten schützte die strenge Zucht, und als äussere Abwehr brannte gewöhnlich ein Licht.. Der König fragte: „Wer rief an der Thür?“

Da sagte der, welcher draussen war: „Fridthjof ist hier; ich bin nun zur Abreise bereit.“

Da wurde dieThüre aufgeschlossen und Fridthjof ging hinein und sang die Weise:

„Nun will ich danken Dir,

Da du aufs Beste gabst —

Zum Geh'n bereit der Mann ist —

Begastung mir dem Kämpfer.

An Ingebjörg stets denk' ich

All unser Leben lang.

Sie bleib' gesund! doch gönne

Die Gabe sie statt Küssen.“

Da warf er Ingebjörg den guten Ring zu und bat sie, ihn als Eigenthum zu betrachten.

Der König lächelte zu dieser Weise und sagte: „So geschah es denn, dass ihr besser gedankt wird für den Winteraufenthalt als mir, und sie war doch nicht freundschaftlicher gegen Dich als ich.“

Da sandte der König seine Dienstmannen, Trank und Speise zu holen und sagte, sie sollten essen und trinken, bevor Fridthjof fortfahre: „Und steh' auf Königin und werde fröhlich!“ — Sie sagte, sie könne so früh nicht essen.

König Ring sagt: „Wir wollen nun alle zusammen essen.“ — Und so thaten sie.

Als sie aber einige Zeit getrunken hatten, sprach König Ring: „Ich möchte, dass Du hier bleibest, Fridthjof, denn meine Söhne sind noch im Kindesalter; ich aber bin alt und nicht geschickt zur Landwehr, wenn Jemand dieses Reich mit Krieg anfällt.“

Fridthjof sagt: „Sogleich werde ich fahren, Herr“ — und Sang die Weise:

„Ring, Du König, lebe

Heil und lange.

Erster Fürst

Auf der Erde!

Wahre, o Führer,

Wohl Weib und Lande!

Nicht werd* ich jemals

Ingebjörg wiederseh'n.“

Da sang Konig Ring:

„Fahre Du nicht so,

Fridthjof, von hinnen,

Tüchtigster Held,

Mit traurigem Sinn!

Dir werd' ich vergelten

Deine Kleinode

Sicherlich besser

Als selbst Du erwartest.“

Und wiederum sang er:

„Ich gebe die Frau

Dem berühmten Fridthjof,

Und all' mein Eigenthum

Auch zugleich mit.“

Fridthjof nahm die Rede auf und sang:

„Nicht werd' ich nehmen,

Was Du mir bietest,

Als bis Du, König,

Krank bist zum Tode.“

Der König sagt: „Ich würde es Dir nicht geben, wenn ich nicht fühlte, dass dem so wäre, und ich bin krank, und gönne es Dir, diese Güter zu geniessen, weil Du vor allen Männern bist in Norwegen. Ich will Dir auch den Königsnamen geben, denn ihre Brüder werden Dir die Ehre nicht gönnen und Dir ein geringeres Weib geben als ich.“

Fridthjof sagt: „Habt vielen Dank, Herr, für Euer Wohlwollen, das grösser ist, als ich erwartete; aber ich will keine höhere Würde als den Jarlsnamen.“

Da gab König Ring dem Fridthjof mittels Vertrag die Gewalt über das Reich, das er beherrscht hatte, und damit den Jarlsnamen. Fridthjof sollte herrschen, bis dass die Söhne des Königs Ring reif genug wären, um selbst ihr Reich zu regieren.

König Ring lag kurze Zeit, und als er starb ward grosse Trauer um ihn im Reiche. Hierauf wurde ein Hügel über ihn geworfen und viel Geld hineingelegt nach seinem WunscheMan meinte, dass das Mitbringen von Geld den Empfang bei der Gottheit, zu der der Verstorbene kam, freundlicher mache. Reiche erhielten daher viel Geld und Geldeswerth, denn Alles, was der Todte ins Grab mitbekam, folgte ihm in jene Welt.. Sodann veranstaltete Fridthjof ein glänzendes Gastgebot, als seine Mannen herbeikamen. Es wurde da Alles zugleich getrunken, das BegräbnissmahlBei Männern, die ein Erbe hinterliessen, folgte der Bestattung nothwendig eine feierliche Trinkgesellschaft, welche der Erbe zum Gedächtniss des Verstorbenen und zum öffentlichen Antritt der Hinterlassenschaft den Freunden und Nachbarn gab. Heiratsbier und Erbbier fällt bei Fridthjof zusammen.
Von Seiten Ingebjörgs ist hier ein Verstoss gegen die herkömmliche Sitte nicht zu verkennen, welche verlangte, dass die Witwe unvermählt bleibe oder doch nicht kurze Zeit nach dem Tode des Mannes sich wieder vereheliche. Ingebjörgs Abweichen von dem alten Herkommen mochte dadurch für entschuldigt gelten, dass Ring selbst sie mit Fridthjof gewissermassen schon verlobt hatte.
des Königs Ring und der Brautlauf Ingebjörg's und Fridthjofs. Hierauf setzte sich Fridthjof dort zur Regierung und erschien als ein Mann von grossem Rufe. Er und Ingebjörg hatten viele Kinder.

 

Fünfzehntes Kapitel

Der Sieg

 

Die Könige in Sogn, Ingebjörg's Brüder, erfuhren die Neuigkeit, dass Fridthjof die Königsgewalt in Ringarik, und Ingebjörg, ihre Schwester, erhalten hätte. Helge sagt zu seinem Bruder Halfdan, es wäre etwas ganz Ausserordentliches und eine Kühnheit, dass eines Hersen Sohn, sich ihre Schwester zueignen sollte.

Sie sammeln nun eine grosse Heeresmacht und ziehen damit hinaus in das Ringarik und gedenken Fridthjof zu tödten und das ganze Reich sich zu unterwerfen.

Als aber Fridthjof dessen gewahr wurde, sammelte er die Streitkraft und sagte zur Königin: „Neuer Unfriede ist in unser Reich gekommen; wie er auch auflaufen mag, so wollen wir doch keinen Hass an Euch sehen.“

Sie sagt: „Dahin ist es nun gekommen, dass wir Dich als den Ersten betrachten müssen.“

Da war Björn von Osten her dem Fridthjof zu Hilfe gekommen. Sie zogen hierauf zum Kampfe und es war wiederum wie früher, dass Fridthjof der Vorderste war in der Lebensgefahr. Er und König Helge hatten einen Zweikampf und Fridthjof gab ihm den Tod.

Da liess Fridthjof den FriedensschildAls Friedensschild galt ein weisser Schild. emporhalten und die Schlacht hörte auf.

Da sagte Fridthjof zu Halfdan, dem König: „Du hast ein grosses Entweder-Oder vor Dir: dass Du Alles in meine Gewalt gibst, oder den Tod empfängst wie Dein Bruder; denn es scheint, dass meine Sache besser steht als die Eurige.“

Da entschied sich Halfdan dahin, sich und sein Reich dem Fridthjof zu unterwerfen. Fridthjof erhielt nun die Herrschaft über die Sognprovinz; aber Halfdan sollte Herse sein in Sogn und dem Fridthjof Tribut zahlen, so lange er die Herrschaft über Ringarik führe. Da wurde dem Fridthjof der Königsname über die Sognprovinz gegeben. Nachher überliess er Ringarik an die Söhne des Königs Ring und eroberte in der Folge Hördaland.

Zwei Söhne hatten er und Ingebjörg, Gunnthjof und HunthjofDie Schicksale der Nachkommenschaft Fridthjofs, wenigstens des einen Sohnes Hunthjof erzählt die Göthreks- und Rolfssaga.; sie wurden grosse Männer, und endet hier nun die Saga von Fridthjof dem Starken.

 

Quelle:
Josef Calasanz Poestion: Die Saga von Fridthjof dem Starken - Friðþjófs saga hins frœkna (1879).

 

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